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"Wie der Ukraine-Krieg" - Deutsche Reaktionen auf Trumps Zoll-Bombe

• Apr 3, 2025, 8:56 PM
5 min de lecture
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Von schockiert, kämpferisch bis kopfschüttelnd fallen die Reaktionen aus Deutschland auf Trumps Zoll-Bazooka aus. "Zölle für die ganze Welt" hat Trump gestern angekündigt und will damit zu einem "Goldenen Zeitalter Amerikas zurückkehren".

20 Prozent sollen auf EU-Waren erhoben werden, 34 Prozent werden für Waren aus China fällig, 25 Prozent aus Südkorea, 24 Prozent aus Japan und 32 Prozent aus Taiwan. Selbst unbewohnte Inseln finden sich in seiner Rundumschlag-Liste.

Doch dieser Plan der "Vergeltungszölle" könnte nach Auffassung einiger Experten und Politiker nicht aufgehen. Der geschäftsführende Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck vergleicht Trumps Zoll-Paket mit dem Ukraine-Krieg. Die Entscheidung von Trump sei durchaus vergleichbar „mit dem Beginn der Amtszeit, nämlich mit dem Angriffskrieg auf die Ukraine und der drohenden Gasmangellage“, sagte Habeck als Reaktion auf Trumps neue Zölle.

Habeck: "Wir sehen, wer bei diesem Armdrücken der Kräftigere ist"

Es handele sich um die disruptivsten Zollerhöhungen seit 90 Jahren, so Habeck. Die USA hätten von der Globalisierung profitiert und n den vergangenen Jahre deutlich höhere Wachstumsraten gehabt als Europa. "Dass sie das in ihrem Land nicht gerecht verteilen, ist ihr innenpolitisches Problem, aber es ist einfach falsch."

Er fordert eine Entschlossenheit und Kampfansage von der EU. „Das ist das, was ich sehe: dass Donald Trump unter Druck einknickt. Unter Druck seine Ansagen korrigiert. Aber die logische Konsequenz ist: Dann muss er den Druck auch spüren. Und dieser Druck muss jetzt entfaltet werden – von Deutschland aus, von Europa aus, in der Allianz mit den anderen Ländern. Dann werden wir sehen, wer bei diesem Armdrücken der Kräftigere ist.“

Scholz: „Anschlag auf die Handelsordnung“

Bundeskanzler Olaf Scholz hat das Zoll-Paket als einen "Anschlag auf die Handelsordnung" bezeichnet, die "Wohlstand überall auf dem Globus geschaffen hat.“ Die US-Regierung beschreite einen Weg, an dessen Ende es nur Verlierer geben werde, sagte Scholz nach einem Treffen mit dem jordanischen König Abdullah II. in Berlin

"Die gesamte Weltwirtschaft wird unter diesen undurchdachten Entscheidungen leiden, Unternehmen wie Verbraucherinnen und Verbraucher überall in der Welt, auch in den USA." Er sagte auch, dass die EU für Gespräche mit der amerikanischen Regierung zur Verfügung stehe, um einen Handelskrieg abzuwenden.

Linken-Chefin Ines Schwerdtner: "Er schadet er nicht nur den Menschen in den USA, sondern auch dem Rest der Welt“

Mit seiner Entscheidung würde Turmp nicht nur den Menschen in den USA schaden, sondern auch dem Rest der Welt. Die Linken-Politikerin fordert eine andere Wirtschaftspolitik, sagte Linken-Chefin Ines Schwerdtner gegenüber der dpa.

Sie sieht die Fehler im Vorfeld der Trump-Zölle auch bei der deutschen Politik. „Statt die Wirtschaft unabhängiger vom Export zu machen und die Nachfrage im eigenen Land zu stärken, hat man weiter auf alte Rezepte gesetzt. Jetzt rächt sich das." Das „alte Lied von mehr Wettbewerbsfähigkeit“ würde nicht zur Weltlage passen.

Bernd Lange: „Atombombe in der Wirtschaft“

Der Vorsitzender des Handelsausschusses im Europaparlament, Bernd Lange, erklärte im Tagesspiegel, dass das Anti-Coercion Instrument (ACI) der EU unter gewissen Umständen sogar erlaube, den Handel mit einem Drittstaat, der Europa bedroht, komplett einzustellen. Dieses Worst-Case-Szenario nennt er eine „Atombombe in der Wirtschaft“.

Trump möge von einem "Tag der Befreiung" sprechen, aus der Sicht des Normalbürgers sei es allerdings eher ein "Tag der Inflation". Die Verbraucher in den USA seien es, die die schwerste Last in einem Handelskrieg zu tragen hätten, so Lange.

Moritz Schularick (IfW): „Schock für den Welthandel“

Der Präsident des Kieler Instituts für Weltwirtschaft (IfW), Moritz Schularick, spricht im Handelblatt von einem "schweren Schock für den Welthandel“ und einer „Zäsur für die Weltwirtschaft, wie wir sie kennen".

Die Auswirkungen dieses Schritts würden "richtig weh tun", "auch den Amerikanern.“ Das Risiko, dass die Vereinigten Staaten in eine Rezession geraten, sei mit Trumps Zoll-Rundumschlag „um einiges wahrscheinlicher geworden“.

VDA-Präsidentin Hildegard Müller: „Das ist kein America first, das ist America alone“

Der Verband der Deutschen Automobilindustrie (VDA) hat die Zoll-Ankündigung ebenfalls kritisiert. VDA-Präsidentin Hildegard Müller bezeichnete sie als „Abkehr der USA von der regelbasierten globalen Handelsordnung“. Sie erklärte: „Das ist kein America first, das ist America alone.“