Schulkosten steigen schneller als die Inflation: Welche Länder zahlen am meisten?

Im Gegensatz zur Inflation gibt es bei den Kosten für die Einschulung von Kindern bisher keine Anzeichen für ein Nachlassen des Preisanstiegs - zumindest nicht in den meisten der größten europäischen Volkswirtschaften.
Dabei sind die Ausgaben für Schulbücher, die in manchen Fällen rund 70 % der Gesamtkosten ausmachen, sowie für Klassenfahrten und Mahlzeiten die Haupttreiber.
Deutschland: Klassenfahrten kosten fast so viel wie das monatliche Nettogehalt
Die finanzielle Belastung ist für deutsche Familien besonders hoch.
Laut der Preisvergleichsplattform Idealo belaufen sich die geschätzten Kosten für die Einschulung eines Kindes auf rund 3.600 Euro pro Jahr - 4 % mehr als im Vorjahr und mehr als die jüngste Inflationsrate von 2 %.
Die Schulspeisung kostet in Deutschland etwa 4 Euro pro Kind, wobei dies je nach Region sehr unterschiedlich ist. In Berlin sind die Mahlzeiten in der Regel kostenlos, während sie in München bis zu 5,5 Euro pro Kind kosten können, so die Untersuchung.
Am teuersten sind jedoch die Klassenfahrten, die die Eltern im Durchschnitt 2 000 Euro pro Jahr kosten.
Um Übertreibungen zu vermeiden, haben einige deutsche Bundesländer Obergrenzen für die Ausgaben der Lehrer festgelegt.
Großbritannien: Schulessen treibt Kosten in nur zwei Jahren um 30 % in die Höhe
Auch in Großbritannien übersteigen die Schulkosten die Inflation und erreichen für Schüler der Mittelstufe mehr als 2.600 Euro pro Jahr.
Nach Untersuchungen der Universität Loughborough sind die Kosten für Schulessen in den letzten zwei Jahren um 30 % gestiegen.
Auch hier macht das Essen einen großen Teil der Ausgaben aus. Die Forscher bezeichnen sie als "die größte Kostenbelastung, wobei allein die Kosten für Lunchpakete und Snacks die Familien für einen Schüler der Sekundarstufe jährlich bis zu 846 Pfund (981 Euro) kosten".
Gleichzeitig "sind die Kosten für Schuluniformen zwar leicht zurückgegangen - insbesondere für Grundschüler -, stellen aber nach wie vor eine erhebliche Belastung dar, insbesondere für Familien mit mehreren Kindern", heißt es in dem Bericht.
Italien: Verbraucherverbände prangern Schulbuchabzocke an
Laut dem Verbraucherverband Codacons müssen italienische Familien für Schüler der Mittelstufe fast 600 Euro und für Schüler der Oberstufe mehr als 1 200 Euro pro Jahr ausgeben.
Die Kosten für Schulartikel wie Rucksäcke, Tagebücher und Federmappen stiegen im Vergleich zu 2024 zwischen 3 und 5 %.
Schulbücher sind nach wie vor der teuerste Artikel. Der Bericht prangert an, dass Eltern oft neue statt gebrauchte Bücher kaufen müssen, selbst bei kleinen Änderungen zwischen der alten und der neuen Ausgabe.
Ein anderer Verbraucherverband, ADOC, beziffert die Kosten für Schulbücher über einen Zeitraum von acht Jahren, vom Beginn der Mittelstufe bis zum Ende des Gymnasiums, auf stolze 2.524 € pro Schüler.
Frankreich: Tugendhaftes Recyclingsystem mildert Druck auf Familien
Frankreich ist die einzige große europäische Volkswirtschaft, in der die Kosten geringfügig gesunken sind, und zwar laut Familles de France im Durchschnitt um 12 € auf nur 211 €.
Für den Kostenrückgang gibt es mehrere Gründe.
Erstens geben französische Familien fast nichts für Schulbücher aus.
Die Handbücher werden meist an Schüler ausgeliehen, die sie jedes Jahr an andere weitergeben. In einigen Regionen wird das System direkt von Elternverbänden verwaltet.
Darüber hinaus gibt es ein beträchtliches jährliches Schulgeld von etwa 450 € für jeden Schüler im Alter von 6 bis 18 Jahren.
Spanien: Über 70 % der Schulkosten entfallen auf Schulbücher
In Spanien werden die Ausgaben laut Idealo um etwa 2 % steigen und mehr als 500 Euro betragen - davon allein etwa 360 Euro für Bücher.
Dies entspricht einem Anstieg von 18 % in den letzten drei Jahren.
Im benachbarten Portugal wird nach Untersuchungen von Escolha do Consumidor mindestens ein Drittel der Familien bis zu 150 Euro ausgeben, wobei unklar ist, ob dies auch für Schulbücher gilt.
In Mitteleuropa berichtet der Euronews-Journalist Bence Rácz K., dass die Schulkosten in Ungarn um etwa 6 % gestiegen sind, was einer Belastung von 100 bis 150 € pro Familie entspricht.
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