"Cyberarmeen" im All: Bericht warnt vor zunehmenden Angriffen auf Raumfahrtsysteme
Satelliten und Kommunikationssysteme im All geraten zunehmend ins Visier der Cyberkriegsführung, warnt ein neuer Bericht. Demnach gab es zwischen Januar 2023 und Juli 2025 während des Gaza-Konflikts 237 Cyberoperationen gegen den Raumfahrtsektor.
Die Analyse, veröffentlicht vom Center for Security Studies (CSS) der ETH Zürich, bündelt Informationen aus sozialen Netzwerken, Medienberichten und Cybercrime-Foren zu Angriffen auf Israels Raumfahrtsektor und internationale Behörden.
Den stärksten Anstieg verzeichnete der Bericht im Juni 2025 während der Auseinandersetzung zwischen Israel und Iran: 72 Operationen in nur einem Monat. Das entspricht fast einem Drittel aller erfassten Vorfälle, so die Autorin Clémence Poirier.
"Cyberoperationen gegen den Raumfahrtsektor gehören inzwischen zum Muster bewaffneter Konflikte", heißt es in der Studie. Sie zieht Parallelen zur jüngsten russischen Invasion in der Ukraine.
Bis auf einen waren alle identifizierten Akteure im Raumfahrtsektor pro-palästinensische Gruppen.
Die Studie hält fest, dass die Hamas über keine Satelliten oder Raumfahrtsysteme über dem Gazastreifen verfügt. Pro-israelische Gruppen könnten verdeckt operiert haben.
Welche Angriffe gab es?
Im Oktober, nach dem bewaffneten Vorstoß der Hamas am 7. Oktober 2023, gab es zehn Angriffe. Ziel waren unter anderem die Israel Space Agency (ISA) und der Rüstungshersteller Rafael.
Die Eskalation "überraschte Hacktivisten weltweit". Es dauerte, bis sie sich organisierten und Ziele für ihre Attacken festlegten.
Hacktivisten attackierten 77 verschiedene Raumfahrtorganisationen oder Unternehmen. Besonders betroffen waren Rafael, der Rüstungskonzern Elbit Systems und die ISA. Auch internationale Einrichtungen wie die US-Raumfahrtbehörde NASA standen auf der Liste.
Laut Bericht trafen die meisten Angriffe Luft- und Rüstungsunternehmen aufgrund ihrer Rolle bei der Herstellung militärischer Ausrüstung – nicht wegen ihrer Aktivitäten im All.
Mehr als 70 Prozent der Attacken waren sogenannte Denial-of-Service-Angriffe (DDoS). Sie überfluten Websites, bis Geräte oder Netzwerke überlastet sind und für Nutzer ausfallen.
DDoS-Attacken erfordern wenig technisches Know-how, gehen schnell und dienen oft als Ablenkung für komplexere Angriffe, heißt es weiter.
Daneben gab es Datenlecks, Eindringversuche und Datendiebstähle.
Einige Datenverkäufe oder -lecks fielen auf wichtige Ereignisse im Konflikt. Das sei jedoch schwer zu verifizieren und könnte fingiert sein, betont die Studie.
"Dass sich so viele Vorfälle durch manuelle Open-Source-Recherche identifizieren ließen, deutet darauf hin, dass das tatsächliche Ausmaß der Aktivitäten gegen den Raumfahrtsektor erheblich größer ist", schließen die Autoren.
Cyberoperationen werden im Raumfahrtsektor „zum festen Bestandteil“
Die größte Aktivitätswelle traf den Raumfahrtsektor, als Israel und Iran sich im Juni 2025 zwölf Tage lang gegenseitig ins Visier nahmen: 72 Cyberangriffe. In dieser Zeit griffen pro-palästinensische und pro-iranische Gruppen gleichzeitig israelische Ziele an.
„Beide Kriege beeinflussten sich politisch, militärisch und rhetorisch. Akteure aus dem einen Schauplatz führten oft Operationen mit Bezug zum anderen“, heißt es im Bericht.
Hacktivisten übernahmen zudem Bausteine erfolgreicher Angriffe aus anderen Konflikten und setzten sie im Gaza-Krieg erneut ein.
Ein DDoS-Angriff der sogenannten "Cyber Army of Palestine" auf die ISA im Jahr 2023 nutzte ähnlichen Code wie die IT Army of Ukraine, eine Freiwilligengruppe im Cyberkrieg gegen Russland.
Die meisten Vorfälle richteten nur begrenzten physischen oder operativen Schaden an. Das Aktivitätsmuster zeigt jedoch, wohin sich der Cyberkonflikt im All entwickelt.
Die Studie kommt zu dem Schluss, dass Cyberoperationen gegen den Raumfahrtsektor zu „konstanten Elementen“ moderner Konflikte werden – nicht zuletzt, weil Hacktivisten gezielt Akteure der Branche ins Visier nehmen.
Sie empfiehlt, spezifische Cyberstrategien für den Raumfahrtbereich zu entwickeln, um die Infrastruktur im All besser zu schützen.