Reisehinweise nach Sturzflut in Nepal: Mindestens acht Deutsche offenbar vermisst
Verheerende Überschwemmungen in Nepal haben ein bei internationalen Reisenden beliebtes Gebiet getroffen. Behörden melden, dass dort Hunderte ausländische Touristen vermisst werden.
Das Nepal Tourism Board teilte am Donnerstag mit, dass 644 Reisende nicht erreichbar seien, darunter 517 Ausländer. Unter ihnen sind Besucher aus 19 europäischen Staaten sowie aus China, den Vereinigten Staaten und Australien.
Wie Bishow Raj Adhikari, Chef der nepalesischen Touristenpolizei, der Deutschen Presse-Agentur mitteilte, sollen sich laut Angaben von Trekkingagenturen acht deutsche Staatsangehörige unter den Vermissten befinden. Das Auswärtige Amt teilte auf dpa-Anfrage mit, die deutsche Botschaft in Kathmandu stehe in engem Kontakt mit den lokalen Behörden. „Zum jetzigen Zeitpunkt hat das Auswärtige Amt keine Kenntnis von deutschen Staatsangehörigen unter den Betroffenen“, hieß es aus Berlin.
Das Nepal Tourism Board ruft Reisende dazu auf, ihren Aufenthaltsort der nächstgelegenen Polizei- oder Sicherheitsbehörde, der lokalen Verwaltung, ihrem Reisebüro, Guide oder Veranstalter mitzuteilen. In einer Erklärung heißt es: „Bitte bleiben Sie ruhig, informieren Sie sich laufend und befolgen Sie die offiziellen Sicherheitsanweisungen.“
Besonders betroffen sind die Bezirke Rasuwa und das benachbarte Nuwakot. Sie liegen nördlich von Kathmandu, nahe der Grenze Nepals zu Tibet.
Nepal gehört seit Langem zu den beliebtesten Zielen in Asien für Rucksackreisende, Wanderer und Abenteuerurlauber. Das Land lockt mit spektakulären Himalaya-Landschaften, vergleichsweise günstigen Reisekosten und einer Mischung aus Bergtouren, historischen Städten sowie buddhistischer und hinduistischer Kultur.
Das Land beherbergt acht der zehn höchsten Berge der Erde, darunter den Mount Everest. Laut offiziellen Zahlen reisten 1,16 Millionen internationale Touristen im Jahr 2025 nach Nepal, darunter mehr als 165.000 Trekkingurlauber.
Reisende in Nepal: Was jetzt zu beachten ist
Europäische Regierungen und andere ausländische Botschaften raten Reisenden, den Anweisungen der nepalesischen Behörden zu folgen und die Lage vor Ort genau zu verfolgen.
Die Botschaften von Finnland, Frankreich und dem Vereinigten Königreich sowie von Australien, Norwegen und der Schweiz und die EU-Delegation in Nepal veröffentlichten eine gemeinsame Erklärung. Darin fordern sie Menschen in den betroffenen Gebieten auf, „den Empfehlungen der lokalen Behörden und den offiziellen Sicherheitshinweisen zu folgen und die Lage aufmerksam zu verfolgen“.
Frankreich warnt, dass Telefonnetze und Internetverbindungen wegen Überschwemmungen und Erdrutschen für mehrere Tage ausfallen können. Reisende sollen vor Fahrten mit den lokalen Behörden Rücksprache halten und deren Anweisungen befolgen.
Die Niederlande raten Menschen, die von Überschwemmungen überrascht werden, sich auf höher gelegenes Gelände zu begeben, Brücken zu meiden und nicht zu versuchen, durch Flutwasser zu laufen oder zu schwimmen. Reisende sollten auf eine mögliche Evakuierung vorbereitet sein und Pässe, Medikamente und andere wichtige Gegenstände gemeinsam in einer wasserdichten Tasche bereithalten.
Ausländische Reisende sollten außerdem:
- Gebiete mit Überschwemmungen und Erdrutschen meiden und nicht nur zur Besichtigung der Schäden dorthin reisen.
- Flüsse, Uferbereiche, Brücken, instabile Hänge und beschädigte Gebäude meiden.
- Vor Reisen Wetterlage, Hochwasserwarnungen und Straßenverhältnisse vor Ort prüfen.
- Vor einem Ortswechsel den Reiseveranstalter, die Trekkingagentur, den Guide oder die Unterkunft kontaktieren.
- Angehörige oder Freunde über Aufenthaltsort und Situation informieren, möglichst per Textnachricht oder online, falls die Telefonnetze überlastet sind.
- Telefone geladen halten und Pässe, Medikamente sowie wichtige Dokumente griffbereit aufbewahren.
- Die Reiseversicherung so früh wie möglich kontaktieren, wenn die Reise unterbrochen wurde oder medizinische Behandlung, Evakuierung oder Rückführung nötig ist.
Die nepalesische Behörde für Hydrologie und Meteorologie bietet über die gebührenfreie Nummer 1155 Wetter- und Hochwasserinformationen an. Anrufer können dort zwischen Wettervorhersagen und Frühwarnungen vor Überschwemmungen wählen.
Nepal: Wichtige Notrufnummern
Polizei: 100
Feuerwehr: 101
Rettungsdienst: 102
Touristenpolizei: 1144
Informationen zu Hochwasser und Extremwetter: 1155
Der Dienst der Touristenpolizei ist für ausländische Besucher besonders hilfreich. Dort arbeiten Beamte, die Englisch sprechen.
Hilfe für EU-Bürger
EU-Bürger, die konsularische Unterstützung brauchen, sollten sich zuerst an die Botschaft, das Konsulat oder das Außenministerium ihres eigenen Landes wenden.
Nicht jeder EU-Staat verfügt in Nepal über eine eigene Botschaft. Nach den Regeln des EU-Konsularschutzes kann sich ein EU-Bürger, dessen Heimatland dort nicht vertreten ist, an die Botschaft oder das Konsulat eines anderen Mitgliedstaats wenden. Das belgische Außenministerium nennt etwa Deutschland, Finnland und Frankreich als EU-Länder mit Botschaften in Kathmandu.
Zu den wichtigen europäischen Notfallkontakten gehören unter anderem:
Frankreich: Französische Staatsbürger in Nepal können die Französische Botschaft in Kathmandu unter +977 980 101 7201 erreichen. Frankreich bittet seine Bürger, den Anweisungen der örtlichen Behörden zu folgen und Angehörige nach Möglichkeit darüber zu informieren, dass sie in Sicherheit sind.
Italien: Italienische Staatsbürger, die dringend Hilfe benötigen, können die Kriseneinheit des italienischen Außenministeriums unter +39 06 36225, das Italienische Generalkonsulat in Kolkata unter +91 9831212216 oder das Honorarkonsulat in Kathmandu unter +977 1 4538388 / +977 1 4529089 kontaktieren. Italien bittet seine Staatsbürger im betroffenen Gebiet außerdem, sich über den Dienst Dove siamo nel mondo oder die App Viaggiare Sicuri zu registrieren.
Spanien: Spanische Staatsbürger, die dringend konsularische Hilfe benötigen, können +91 98101 74160 anrufen. Spanien empfiehlt seinen Bürgern in Nepal, die Anweisungen der lokalen Behörden zu befolgen und die Hinweise der eigenen Botschaft zu verfolgen.
Belgien: Belgier können sich in Notfällen an das Honorarkonsulat in Kathmandu unter +977 985 10 32 785 wenden. Die Belgische Botschaft in Neu-Delhi, die für Nepal zuständig ist, ist außerhalb der Dienstzeiten unter der Notrufnummer +91 98101 17931 erreichbar.
Reisende aus anderen EU-Staaten sollten beim Außenministerium ihres Landes die aktuellen Reisehinweise zu Nepal und die jeweiligen Notrufnummern für konsularische Hilfe prüfen.
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