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"Erdrutschsieg" für Union und AfD – ein Szenario nach US-Wahlrecht

• Aug 29, 2025, 4:31 AM
10 min de lecture
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Mit dem Wahlsystem der USA würde Deutschland von Union und AfD regiert, wie eine Karte von MapsofEurope auf Instagram zeigt, die derzeit viral geht. Die Autoren hinter der Grafik bescheinigen den Konservativen - dazu zählen sie Union und AfD - in diesem Falle einen "Erdrutschsieg".

Auf der Karte sieht man, dass der gesamte Osten blau eingefärbt ist, die AfD würde nach US-Wahlsystem alle Abgeordneten von Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg, Sachsen, Sachsenanhalt und Thüringen stellen. Im Westen Deutschlands dominiert ganz klar die Union mit 418 Stimmen. Auf die Linke würden 24 Stimmen entfallen, auf die SPD, die derzeit in der Koalition mitregiert, lediglich 16 Stimmen.

Doch warum ist es in Deutschland nicht so gekommen?

Welche Parteien mit wie vielen Abgeordneten im Bundestag, dem Parlament, vertreten sind, das wählen alle vier Jahre die Deutschen in direkter Wahl. Mit der Zweitstimme wird die Landesliste einer Partei gewählt. Dies ist indirekt entscheidend für den Bundeskanzler. Er oder sie wird von den Abgeordneten für vier Jahre gewählt.

Kanzler wird, wer die meisten Stimmen der Mitglieder des Bundestags erzielt, die direkt vom Volk gewählt werden. Meist schließen sich dafür zwei oder drei Parteien zu einer Koalition zusammen. In der Bundestagswahl 2025 waren dies Union und SPD. Friedrich Merz (CDU) wurde im zweiten Wahlgang mit der absoluten Mehrheit zum Kanzler gewählt.

Das deutsche und US-amerikanische Wahlsystem im Vergleich

Im Gegensatz zu den USA hat Deutschland ein parlamentarisches Regierungssystem und es gilt das Verhältniswahlrecht. "Das heißt, es wird Proportionalität zwischen den Wahlergebnissen der Parteien und deren Anteil an den Parlamentsmandaten angestrebt", erklärte der Politikwissenschaftler Benjamin Höhne gegenüber Euronews.

In den USA hingegen gibt es das Mehrheitswahlrecht mit "dem Leitgedanken 'first past the post'". Derjenige mit den meisten Stimmen im Wahlkreis gewinnt ihn. "Alle anderen gehen leer aus".

Für Deutschland würde dies bedeuten: "In einem fiktiven Szenario könnte eine Partei mit 31 Prozent der Stimmen in einem Wahlkreis ihren Kandidaten nach Berlin entsenden", so Höhne weiter. "Die beiden zweit- und drittplatzierten Parteien, die vielleicht 30 und 25 Prozent erhalten haben, blieben außen vor." Höhne wirft ein, "dass ein solches System angesichts unserer politischen Kultur und Wahltradition als ungerecht empfunden würde."

Der US-amerikanische Präsident wird nicht direkt, sondern von einem Gremium der Wahlleute, dem sogenannten Electoral College gewählt. Die 538 Wahlleute sollen den Wählerwillen der Bevölkerung weitergeben.

Hillary Clinton vs. Donald Trump: umstrittener Wahlsieg 2016

In 48 von 50 Staaten werden die Wahlleute geschlossen an den Wahlsieger vergeben, statt sie im Verhältnis des Wahlergebnisses aufzuteilen. Die Mehrheit der Wählerstimmen und das Mehrheitsverhältnis im Electoral College stimmen also nicht überein. Stattdessen gilt das Prinzip: The winner takes it all. Nur in Maine und Nebraska ist das System anders. Dort werden die Wahlleute proportional zum Wahlergebnis geteilt.

Aufgrund dieses Systems kann es passieren, dass ein Kandidat insgesamt die meisten Stimmen der Wählenden hat, aber dennoch verliert, weil er oder sie nicht die Mehrheit der Wahlleute erreicht.

Das war beispielsweise in den Wahlen zwischen Hillary Clinton und Donald Trump im Jahr 2016 der Fall. Trump hatte insgesamt weniger Stimmen der Wählenden, erreichte aber die Mehrheit der Wahlleute. Als Präsident benötigt man in den USA mindestens 270 Stimmen.

Das Prinzip "the winner takes it all" ist insbesondere in den sogenannten swing states entscheidend, denn hier steht nicht von Anfang an die Unterstützung für einen Kandidaten fest. Kleinere Parteien setzen sich aufgrund dieser Dynamik oftmals nicht durch, die beiden größten US-Parteien - die Demokraten und die Republikaner -bestimmen die Wahl.

In Deutschland gelingt es durch das Verhältniswahlrecht auch kleinere Parteien, in den Bundestag einzuziehen. Bei der Bundestagswahl 2025 traten 41 Parteien an, sieben davon schafften den Einzug in den Bundestag: CDU, CSU, AfD, SPD, Bündnis90/Die Grünen, Die Linke und der Südschleswigsche Wählerverband.

Wenn Deutschland mit US-System wählen würde...

...dann würden laut der Karte neun Bundesländer an die Union gehen. Diese hat beispielsweise in Bayern, Baden-Württemberg, Nordrhein-Westphalen oder Rheinland-Pfalz am meisten Stimmen bekommen. Alle Wahlleute - in diesem Fall die Abgeordneten - würden bei der Kanzlerwahl für Merz stimmen.

Im deutschen Osten hingegen würde die AfD ländergrenzenübergreifend Siege davontragen und alle Bundesländer mit Ausnahme von Berlin für sich entscheiden. Die Grünen würden keine Gebiete erhalten und die Linke sowie die SPD deutlich weniger Stimmen. Merz wäre noch immer Bundeskanzler, denn hinter ihm würden 418 Wahlleute stehen.

"Ein Mehrheitswahlsystem nach US-Vorbild hätte auch den Effekt, dass sich die gesamte Parteiensystemkonfiguration abrupt nach einer Wahl ändern kann", so Höhne. "Dies passierte bei den vergangenen Wahlen in Ostdeutschland, wo die CDU fast flächendeckend hinter der AfD lag."

In Sachsen beispielsweise kam die AfD bei den Zweitstimmen auf 37,3 Prozent bei der Bundestagswahl. Die Union folgte mit 19,7 Prozent. In Mecklenburg-Vorpommern erzielte die AfD 35 Prozent, während die Union mit 17,8 Prozent auf Platz 2 landete. Nach US-Prinzip würden alle Unionsstimmen verfallen.

Bei der vorherigen Bundestagswahl hingegen war die CDU oftmals noch auf dem ersten Platz. Binnen vier Jahren hätte sich in den meisten ostdeutschen Bundesländern nach US-System das Blatt gewendet - die AfD hätte die Union vom Thron gestoßen.

US-System gilt als veraltet

Das US-Wahlsystem steht schon seit längerem in der Kritik. Insbesondere in Wahljahren wie 2016, als Hillary Clinton tatsächlich zwei Prozent mehr der Stimmen für sich ausmachen konnte, aber nicht die Mehrheit der Wahlleute, wird das System hinterfragt.

Festgelegt und praktiziert wird es in diesem Sinne, seit es im späten 18. Jahrhundert in die Constitution eingeschrieben wurde. Die Verfassung der USA wurde 1788 ratifiziert. Das Wahlkollegium wurde zunächst teilweise von den Parlamenten der Bundesstaaten abgestimmt, später - ab 1824 - setzte sich in den Einzelstaaten die Volkswahl der Wahlleute durch. Weil das Verfahren Situationen wie 2016 zulässt, gilt das System als oft als antiquitiert und undemokratisch.

"Vergleichen ist oft eine gute Idee und nimmt in der Wissenschaft einen großen Stellenwert ein", ordnet Höhne ein. "Der Vergleich kann helfen, den Horizont zu weiten. Auch für Designs oder Entwicklungen, die man besser nicht haben möchte."


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