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"Trauer, Wut, Zorn": Wo einst KZ-Häftlinge litten, soll jetzt Lidl einziehen

• Aug 28, 2026, 8:19 AM
5 min de lecture
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Auf einem überwucherten Feld stehen nur noch einige bröckelnde Betonblöcke. Mehr ist von dem einst weitläufigen NS-Zwangsarbeitslager bei der niederösterreichischen Gemeinde Leobersdorf heute kaum noch zu sehen.

Nun soll auf dem Gelände ein Gewerbepark entstehen – mit einem Kühlhaus und einer Filiale der Discounterkette Lidl. Die Pläne sorgen für Empörung in Österreich, das seine NS-Vergangenheit lange nur zögerlich aufgearbeitet hat.

„Für mich ist das ein trauriges Gefühl, weil ein geschichtsträchtiger Ort überbaut und der Wirtschaft geopfert wird“, sagt Erich Strobl, Leiter einer lokalen Initiative zur Sicherung eines Teils des Areals, gegenüber AFP.

Nach dem Anschluss Österreichs an NS-Deutschland 1938 nutzten die Behörden den Lagerkomplex „Weinberglager“ für Tausende Kriegsgefangene und Zwangsarbeiter.

Später gehörte dazu das Nebenlager Hirtenberg des Konzentrationslagers Mauthausen – eines der größten Frauenlager in Österreich.

Historiker: Das Gelände ist "historisch bedeutsam“

Zwischen September 1944 und April 1945 waren dort rund 400 Frauen inhaftiert, vor allem aus der Sowjetunion, aber auch aus Italien und Polen. Sie mussten in einem nahe gelegenen Fabrikkomplex Munition für die deutsche Wehrmacht herstellen.

Einige Fabrikruinen stehen bis heute. Die Lagerbaracken und die meisten anderen Gebäude wurden nach dem Krieg jedoch nach und nach abgerissen, umgenutzt oder zerstört.

Der Historiker Bertrand Perz, der zum Lager Mauthausen forscht, bezeichnet das Gelände in Hirtenberg im Gespräch mit AFP als „historisch bedeutsam“. Das gelte auch deshalb, „weil die Frauen als Häftlinge in Mauthausen in der Erinnerungskultur marginalisiert worden sind“.

Die Pläne für einen Gewerbepark auf dem Areal rund 40 Kilometer südlich von Wien, das teilweise auf dem Gelände des ehemaligen KZ liegt, wurden 2024 bekannt.

Trauer, Wut, Zorn

Archäologische Untersuchungen haben Spuren des früheren Lagerkomplexes nachgewiesen. Das Bundesdenkmalamt kam jedoch zu dem Schluss, dass die Überreste „nicht ausreichend“ für einen umfassenden Denkmalschutz seien.

Nun rollen die Bagger an – und Aktivistinnen und Aktivisten erneuern ihre Forderung, das Gelände zu erhalten.

„Ein ehemaliges Konzentrationslager darf nicht mit neuen Gebäuden überbaut werden“, erklärt das Internationale Mauthausen Komitee.

Vor Ort, wo bereits graue Betonsäulen aus dem Boden ragen, sagt Josef Pumberger, Vorstandsmitglied des Mauthausen Komitees Österreich, gegenüber AFP: „Trauer, Wut, Zorn – dass so etwas in Österreich im Jahr 2026 passieren kann.“

Zusätzliche Brisanz erhält das Projekt durch die frühere Eigentümerin des Grundstücks, eine Firma mit Verbindungen zum örtlichen Bürgermeister Andreas Ramharter. Laut lokalen Medien verkaufte sie das Areal 2022 und 2023 für mehr als 15 Millionen Euro.

Die österreichische TRA LEO GmbH & Co KG, die das Gelände erworben hat, erklärte gegenüber AFP, sie habe angeboten, die Errichtung eines Gedenkorts auf dem Areal zu unterstützen.

Lidl bestätigte die Pläne für eine Filiale in dem geplanten Gewerbepark. Die Kette betont jedoch, der Markt werde „nicht direkt auf dem Gelände des ehemaligen Konzentrationslagers, sondern auf einem angrenzenden Grundstück“ entstehen.

Gedenkstele erinnert an Lageropfer

In den Jahrzehnten nach dem Zweiten Weltkrieg stellte sich Österreich lange selbst als Opfer des Nationalsozialismus dar und blendete die Mitverantwortung vieler seiner Bürgerinnen und Bürger weitgehend aus.

Erst ab Ende der 1980er Jahre begann das Land, in dem Adolf Hitler geboren wurde, seine Rolle im Holocaust ernsthafter aufzuarbeiten.

Eine Diskussion wie die heutige um das Gelände in Hirtenberg „wäre in den 1980er Jahren unmöglich gewesen“, sagt Perz. Heute gebe es „mehr Sensibilität“ für ehemalige NS-Orte.

Gleichzeitig prallten in der heutigen Republik Forderungen nach Erinnerung immer häufiger auf „die gegenteilige Tendenz, nämlich zu sagen: ‚Jetzt muss wirklich einmal Schluss sein‘“, so der Historiker.

Die rechtspopulistische FPÖ, die von ehemaligen Nationalsozialisten mitgegründet wurde, wurde bei der Parlamentswahl 2024 stärkste Kraft, fand jedoch keine Partner für eine Regierungsbildung. In fünf der neun Bundesländer gehört sie dennoch zu den Regierungsparteien.

Im Zentrum von Leobersdorf hatten viele der von AFP angesprochenen Bewohnerinnen und Bewohner entweder noch nichts von dem Projekt gehört oder wollten sich dazu nicht äußern.

2024 wurde eine Gedenkstele für die Opfer des Lagers Hirtenberg errichtet.

Für Pumberger reicht das nicht.

„Es ist sehr wichtig, dass es greifbare Spuren der Gebäude gibt, in denen die Nazis Menschen eingesperrt, gefoltert, getötet haben“, sagt er.

„Sonst wird das Gedenken zu einem virtuellen Akt oder existiert nur in Büchern, Fotos und Filmen.“

Dieser Text wurde mit Hilfe von künstlicher Intelligenz übersetzt. Ein Problem melden : [feedback-articles-de@euronews.com].


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