Ithaka: Hollywoodfilm entfacht Streit um die „Insel des Odysseus“
Christopher Nolans neue Kinoversion „Odyssee“ rückt Ithaka wieder ins Zentrum des internationalen Interesses. Das schafft eine wichtige Chance für die touristische Vermarktung der Insel und wirft zugleich neue Fragen auf, wie sich die Aufmerksamkeit, die in den nächsten Monaten weiter wachsen dürfte, nutzen lässt.
Die Diskussion reicht inzwischen weit über die Filmproduktion hinaus. Im Regionalrat der Ionischen Inseln liegt ein Vorschlag vor, die Eptanisa bei einer internationalen Messe in London als „Inseln des Odysseus“ zu präsentieren. Das sorgt auf Ithaka für Widerstand. Später stellte der stellvertretende Regionalgouverneur klar, er spreche von einer Tourismusmarke und nicht von einer offiziellen Umbenennung der Inseln.
Die Kritik der Gemeinde Ithaka richtet sich nicht gegen die Nutzung der Figur des Odysseus zur touristischen Werbung. Im Mittelpunkt steht vielmehr die Frage, wie eine solche Strategie überhaupt entwickelt werden soll. Bürgermeister Dionysis Stanitsas sagt im Gespräch mit euronews, vorab müsse es eine Abstimmung mit Ithaka und einen Gesamtplan geben, was die Region genau hervorheben will.
„Wir haben keine Angst, dass uns jemand den Namen, die Geschichte oder die Kultur Ithakas stiehlt. So ein Problem gibt es nicht“, erklärt er und fügt hinzu, entscheidend sei, dass solche Initiativen jetzt auftauchen – nach der internationalen Aufmerksamkeit, die Nolans Film ausgelöst hat.
Zentral ist die Frage, ob der Kinoerfolg Ausgangspunkt für eine langfristige Tourismusstrategie werden kann und nicht nur für eine kurzfristige Kampagne. „Der Film war gestern“, sagt der Bürgermeister und beschreibt das Dilemma, ob sich die Werbung für Ithaka vor allem auf die Produktion stützen soll oder auf die eigene Geschichte und Kultur der Insel.
Die Lage ist besonders bedeutsam, denn nach Angaben des Bürgermeisters gibt es bereits gestiegenes Interesse von Reiseveranstaltern für das kommende Jahr. Der erwartete Zuwachs an Besuchern macht jedoch deutlich, dass passende Infrastruktur nötig ist, damit die Insel die Nachfrage bewältigen kann.
Damit verlagert sich die Debatte vom Branding hin zum kulturellen Erbe.
Ithaka verfügt über bedeutende archäologische Stätten, allen voran das Gelände der sogenannten Schule Homers. Nach Angaben des Bürgermeisters liegen bereits Studien zur Zugänglichkeit, Erhaltung und Präsentation des Areals vor. Ein zentrales archäologisches Gremium hat sie genehmigt, nun wird nach der nötigen Finanzierung gesucht.
„Ich halte es für die Pflicht des Staates, sofort mit der Aufwertung des archäologischen Geländes zu beginnen“, sagt Stanitsas und verknüpft den Schutz und die Sichtbarmachung der Antiken mit der neuen touristischen Dynamik.
Ähnlichen Bedarf gibt es beim Archäologischen Museum in Vathy. Der Bürgermeister verweist auf eine Planung von rund 1,2 Millionen Euro für seine Aufwertung und Erweiterung. Derzeit ist nur ein Raum mit Fundstücken geöffnet.
Parallel dazu verweist die Gemeinde auf eine Reihe laufender Entwicklungsprojekte und Studien. Außerdem wird der „Digitale Odysseus“ mit Mitteln der Region Ionische Inseln weiter umgesetzt. Ziel ist nach Angaben der Stadtverwaltung, die internationale Sichtbarkeit mit tatsächlicher Infrastruktur und einem durchdachten Plan für die touristische Entwicklung zu verbinden.
Im selben Zusammenhang hat der Bürgermeister ein Treffen mit dem Ministerpräsidenten beantragt, um die Chancen zu besprechen, die sich aus der neuen internationalen Präsenz Ithakas ergeben. Als nächsten Schritt nennt er den Neustart der archäologischen Ausgrabungen auf der Insel.
Nolans „Odyssee“ dürfte so zum Katalysator für die weltweite Wahrnehmung Ithakas werden. Entscheidend ist jedoch, ob sich die Aufmerksamkeit auf die aktuelle Kinodebatte beschränkt oder als Auftakt dient für dauerhafte Investitionen in Kultur, Archäologie, Infrastruktur und den Tourismus auf der Insel.
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