Femizid in Italien: Mann wirft seine Ex-Freundin (45) von einer Autobahnbrücke
Der 36-jährige Florentiner Federico Vella soll am Donnerstag die 45-jährige Lorena Isceri getötet haben, indem er sie von einem Viadukt der Autobahn A1 bei Barberino di Mugello in der Provinz Florenz in die Tiefe stürzte. Nach Erkenntnissen der Ermittler nahm er sich anschließend selbst das Leben.
Kurz vor der Tat veröffentlichte Vella in seiner Instagram-Story den Satz "Addio a tutti" ("Auf Wiedersehen, alle"). Damit deutete er offenbar bereits einen möglichen extremen Schritt an. Bereits am 12. August hatte der Mann in den sozialen Netzwerken ein Video mit gemeinsamen Bildern von sich und der Frau veröffentlicht.
Dazu schrieb er eine Nachricht, die auf das Ende der Beziehung hindeutete: "Manche Verbindungen sind so perfekt, dass selbst wenn du sie trennst, dir die Form des anderen für immer anhaftet." Weiter schrieb er: "An dich, die Frau, die ich mit all meinem Sein geliebt habe und die ich wegen meiner Dummheit verloren habe. Ich werde dir gehören, auch wenn ich es nicht mehr sein darf."
Rekonstruktion der Tat
Nach bisherigem Stand der Ermittlungen griff der 36-Jährige die 45-Jährige an. Die aus Lecce stammende Managerin lebte in Florenz und arbeitete im Norden Italiens. Der Angriff soll sich in der Garage ihres Hauses im Stadtteil Rifredi ereignet haben. Anschließend sperrte er sie in den Kofferraum ihres Autos und fuhr los, um auf die Autobahn zu gelangen. Wohin er fahren wollte, ist bislang unklar. Seinen Rucksack mit dem Handy ließ er jedoch ebenfalls im Kofferraum.
Mit diesem Handy konnte Loredana Isceri Hilfe holen. Sie wählte den Notruf 112 und rief außerdem einen Freund an. Der Mann bemerkte dies, hielt das Auto an und riss ihr das Handy aus der Hand. Nach dem Notruf leitete die Einsatzzentrale der Polizei in Florenz sofort die Suche nach dem Fahrzeug auf der Autobahn ein. Als eine Streife der Verkehrspolizei eintraf, stand der Mann bereits auf dem Brückengeländer. Die Beamten versuchten, sich ihm zu nähern.
Vella rief zusammenhanglose Sätze und sprang schließlich vom Viadukt. Die Szene wurde von der Bodycam eines Polizisten aufgezeichnet. Die Kameras der Autobahngesellschaft hielten zudem fest, was zuvor geschehen war. Kurz zuvor hatte Vella die Frau in die Tiefe gestoßen. Unterhalb der Autobahnbrücke fanden Einsatzkräfte zunächst die Leiche des 36-Jährigen und wenig später die von Isceri. Vor Ort waren neben dem Rettungsdienst auch die Feuerwehr, die Kriminalpolizei und die Staatsanwaltschaft. Auch Mitarbeiter der Betreibergesellschaft Autostrade per l’Italia waren im Einsatz.
Nach dem Vorfall sperrten die Behörden auf der A1 Panoramica den Abschnitt zwischen dem Abzweig zur A1 Direttissima und Roncobilaccio. Noch ist unklar, ob Isceri bereits tot war, als sie von der Brücke stürzte. Eine von der Staatsanwaltschaft angeordnete Obduktion soll Aufschluss darüber geben. Weitere Hinweise könnten die Aufnahmen der Autobahnkameras und die Bodycam der Verkehrspolizei liefern.
Femizide in Italien: jede dritte Frau erlebt geschlechtsspezifische Gewalt
Ebenfalls am Donnerstag ereignete sich in Ostia ein weiterer Fall von Mord mit anschließendem Suizid. Einsatzkräfte fanden in einer Wohnung im vierten Stock eines Wohnhauses eine ältere Frau tot auf. Ihr Sohn wurde leblos auf der Straße entdeckt. Nach ersten Erkenntnissen soll der Mann seine Mutter mit einem Kissen erstickt und sich anschließend aus dem Fenster gestürzt haben.
Die Fälle gehören zu den jüngsten Femiziden in Italien. Nach offiziellen Zahlen des Innenministeriums wurden im Jahr 2026 bereits mehr als 30 Fälle registriert. Laut einem Bericht des Kriminalanalysedienstes im Innenministerium wurden 2025 in Italien 97 Frauen Opfer eines Femizids. 85 davon wurden im familiären oder partnerschaftlichen Umfeld getötet. "62 fanden den Tod durch die Hand ihres Partners oder Ex-Partners", heißt es in dem Bericht. Damit ging die Zahl gegenüber 2024 zurück. Damals wurden 118 Frauen getötet. Auch im ersten Halbjahr 2026 verzeichnete Italien einen Rückgang der Straftaten, darunter auch der Femizide.
Das geht aus einem im Juli veröffentlichten Dossier des Innenministeriums hervor. "Dank dieses kontinuierlichen Engagements zählt Italien insgesamt weiterhin zu den sichersten Orten der Welt", erklärte Innenminister Matteo Piantedosi damals. Dem Bericht zufolge wurden im ersten Halbjahr 2026 insgesamt 34 Femizide registriert. Das entspricht einem Rückgang von 37 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Gleichzeitig stieg die Zahl der von den Polizeipräsidien ausgesprochenen Verwarnungen im Zusammenhang mit Gewalt gegen Frauen um 10,7 Prozent auf 4.582. Besonders deutlich war der Anstieg bei Verwarnungen wegen häuslicher Gewalt.
Hier wurden 3.247 Fälle registriert, 24,1 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Bei Stalking gingen die Zahlen dagegen um 12,3 Prozent auf 1.335 Fälle zurück. Geschlechtsspezifische Gewalt endet jedoch nicht erst mit einem Femizid.
Häufig geht einem solchen Verbrechen ein langer Zeitraum von Misshandlungen und Übergriffen voraus. Laut einer Istat-Studie aus dem Jahr 2025 haben 31,9 Prozent der Italienerinnen zwischen 16 und 75 Jahren im Laufe ihres Lebens mindestens einmal körperliche oder sexuelle Gewalt erlebt. Hinzu kommen psychische und wirtschaftliche Gewalt sowie Stalking.
Wenn Sie selbst von sexualisierter Gewalt betroffen sind oder Unterstützung benötigen, können Sie sich vertraulich und kostenlos Hilfe holen:
Deutschland: Hilfetelefon "Gewalt gegen Frauen": 116 016, rund um die Uhr.
Österreich: Frauenhelpline gegen Gewalt: 0800 222 555, rund um die Uhr.
Schweiz: Opferhilfe Schweiz: opferhilfe-schweiz.ch – kostenlose und vertrauliche Beratung.
Bei unmittelbarer Gefahr: 112.
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