Griechische Insel löst Müllproblem: Deponie komplett abgeschafft
Tilos, eine kleine griechische Insel, kippte ihren Müll früher an einen Hang. Die Deponie wuchs Jahr für Jahr. Der Wind trug Plastik über die Strände darunter.
Das Problem kennen viele kleine Inseln. Einwohner und Urlauber produzieren Abfall, doch der Transport auf das Festland zur Wiederverwertung lohnt sich meist nicht. Also opfern die meisten Inseln ein Stück ihrer knappen Fläche und vergraben den Müll. Was im Boden verschwindet, verschwindet auch aus dem Bewusstsein.
Vor wenigen Jahren schlug Tilos einen anderen Weg ein. Gemeinsam mit dem griechischen Kreislaufwirtschaftsunternehmen Polygreen und mit Unterstützung der Region Südliche Ägäis schaffte die Insel sämtliche öffentlichen Mülltonnen ab. Stattdessen holt ein System zur Haustürabholung die Abfälle direkt bei den Menschen ab. Jede Familie und jeder Betrieb bekam getrennte Säcke für Wertstoffe und Bioabfall, versehen mit einem QR-Code.
Heute ist Tilos weltweit die erste Insel mit der Zero-Waste-Cities-Zertifizierung. Die Recycling- und Kompostierquote liegt bei fast 90 Prozent – deutlich über dem griechischen Landesdurchschnitt und dem EU-Mittelwert.
So funktioniert es
Alle Abfälle aus Haushalten und Betrieben gehen in das Centre of Circular Innovation, das heute dort steht, wo früher die Deponie war.
„Das ist eine Insel, die Abfall erzeugt, aber nichts vergräbt“, sagte Projektleiter Spyros Kastanakis Euronews. „330 Tonnen pro Jahr – 60 Prozent recycelbar, 30 Prozent organisch, und die übrigen 10 Prozent gehen als Brennstoff an Zementwerke.“
Bioabfall wird zu Kompost verarbeitet und den örtlichen Landwirten kostenlos überlassen. Nicht recycelbare Stoffe werden zu Ersatzbrennstoff. Alles andere sortieren die Beschäftigten in 15 Fraktionen, pressen es und verschiffen es als wirtschaftlich wertvollen Rohstoff auf das Festland. „Das ist kein Müll mehr, sondern Rohmaterial“, sagt der Generalsekretär der Gemeinde Tilos, Stathis Kontos. „Alles bekommt ein zweites Leben.“
Das System funktioniert nur, wenn die Menschen zu Hause richtig trennen. Bis sie so weit waren, brauchte es viel Arbeit. „Zuerst sind wir in die Schulen gegangen und haben die Kinder überzeugt“, sagte Bürgermeisterin Maria Kamma Euronews. „Die Kinder haben ihre Eltern angesteckt, und von dort aus hat sich die Idee verbreitet.“
Das Projekt Just Go Zero Tilos steht nun bereit für den nächsten Schritt. Die Regionalbehörden planen, das Modell auszuweiten, damit weitere kleine Inseln in Griechenland ihren Müll nicht länger vergraben, sondern verantwortungsvoll behandeln.
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