Ungarns Seen und Flüsse erreichen Rekordtiefstand bei zunehmender Dürre
Am Velence-See, dem drittgrößten See Ungarns, ist der Wasserstand bei Agárd am 16. August auf rund 20 Zentimeter gefallen. Das liegt weit unter den etwa 150 Zentimetern, die im August als optimal gelten, und deutlich unter dem bisherigen Tiefststand von 53 Zentimetern aus der Dürre von 2022.
Das flache, warme Wasser hat Schwimmstrände zur Schließung gezwungen und den Bootsverkehr zunehmend erschwert. Am Ufer treiben tote Fische, große Teile des Seebodens liegen frei, sind rissig und ausgetrocknet.
Der kleinere Garancsi-See nordwestlich von Budapest steht ebenfalls kurz vor dem Verschwinden. Früher war er ein beliebter Ort zum Angeln, Schwimmen und Eislaufen und als Drehort der ungarischen Komödie Üvegtigris (Glass Tiger) bekannt. Heute besteht er größtenteils aus flachen Wasserpfützen, umgeben von freiliegendem Seeboden. In den heißesten Phasen sinkt der Wasserstand dort um etwa einen Zentimeter pro Tag.
Auch die Donau hat in Budapest Rekordtiefstände erreicht. Sandbänke und Teile des Flussbetts unter den Brücken der Stadt liegen frei, die Schifffahrt wird schwieriger.
Der Wassermangel setzt auch das ungarische Energiesystem unter Druck. Im Atomkraftwerk Paks, das Kühlwasser aus der Donau bezieht und fast die Hälfte des Stroms im Land erzeugt, sank die Leistung auf rund 25 % der Kapazität. Ingenieure haben Maßnahmen ergriffen, um genug Kühlwasser zu sichern und einen Stillstand zu verhindern.
Der Klimawandel verstärkt Hitzeperioden und verlängert Trockenphasen. Fachleute betonen jedoch, dass das ungarische Wassermanagement das Land zusätzlich anfällig macht. Seit Jahrzehnten sind Entwässerungssysteme darauf ausgelegt, Wasser von Äckern und Feuchtgebieten abzuleiten statt es zu halten.
Ungarn verfügt inzwischen über mehr als 40.000 Kilometer Entwässerungskanäle. Eine Studie von 2023 schätzt, dass mehr als 80 % der einstigen Feuchtgebiete verschwunden sind. Umweltverbände fordern deshalb einen Kurswechsel: Wasser soll wieder in der Landschaft gehalten werden, durch die Wiederherstellung von Feuchtgebieten, die Sanierung der Wasserbauwerke und mehr Raum für natürliche Überschwemmungsflächen.
Die Behörden leiten bereits Wasser in besonders gefährdete Feuchtgebiete, etwa in die Sümpfe von Hortobágy. Umweltorganisationen warnen jedoch, dass deutlich umfassendere Schritte nötig sind, um die verbleibenden Seen, Flüsse und Feuchtgebiete Ungarns vor immer heftigeren Dürren zu schützen.
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