Zahl der Arbeitslosen steigt im August über drei Millionen - mehr als eine Sommerflaute?

Mehr als drei Millionen Menschen in Deutschland sind arbeitslos - so viele wie seit einem gesamten Jahrzehnt nicht mehr. Das geht aus den jüngsten Zahlen der Bundesagentur für Arbeit hervor.
Im August 2025 sind 3,025 Millionen Menschen keiner Erwerbstätigkeit nachgegangen, 153.000 mehr als im August 2024. Damit liegt die Arbeitslosenquote derzeit bei 6,4 Prozent. So viele Menschen waren zuletzt im Februar 2015 arbeitslos.
"Im August ist das eingetreten, was wir auch erwartet haben: Aufgrund der Sommerpause ist die Arbeitslosigkeit auf über 3 Millionen gestiegen", so die Vorstandsvorsitzende der Bundesagentur für Arbeit, Andrea Nahles. Überraschend war die Entwicklung also nicht.
"Der Arbeitsmarkt ist nach wie vor von der wirtschaftlichen Flaute der vergangenen Jahre geprägt. Es gibt allerdings auch erste Anzeichen einer Stabilisierung", so Nahles weiter. Die Prognose für die zweite Jahreshälfte zeigt Schwankungen.
Im September dürfte die übliche Herbstbelebung einsetzen und für einen Rückgang der Arbeitslosigkeit sorgen, sagte Nahles. Es könne aber sein, "dass wir die Marke von drei Millionen im Winter dann noch mal überschreiten werden".
Arbeitslosigkeit im Sommer üblich - kein Grund zur Sorge?
Dass die Arbeitslosenzahl gerade jetzt im Sommer die 3-Millionen-Marke knackt, habe auch mit saisonbedingten Faktoren zu tun. So erläuterte die Bundesagentur für Arbeit, dass viele befristete Beschäftigungsverhältnisse zum Halbjahreswechsel enden.
Auch Absolventen der Schule oder Ausbildungen würden sich vorübergehend über den Sommer arbeitslos melden. Meist startet die nächste Beschäftigung - ob Studium, Ausbildung oder Erwerbstätigkeit - im Herbst.
In der Ferienzeit verschieben viele Unternehmen Neueinstellungen auf die Zeit nach dem Sommerurlaub. "Diese Konstellation führt dazu, dass insbesondere junge Menschen unter 25 Jahren überdurchschnittlich von Arbeitslosigkeit betroffen sind", so Andreas Wegner, Vorsitzender der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Neubrandenburg in einer Pressemitteilung.
Über den Jahresverlauf ist eine Tendenz in Richtung weniger Arbeitslosigkeit langfristig seit 2010 erkennbar. Die Arbeitslosenquote übersteigt seit 2024 wieder die 6-Prozentmarke, zuvor lag sie etwa sieben Jahre darunter.
Rezession und fehlende Investitionen
Seit nun fast drei Jahren befindet sich Deutschland wirtschaftlich in einer Rezession. Eine Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) Köln warnte bereits im Mai davor, dass die Zahl der Arbeitslosen im Sommer steigen würde und die drei Millionen Marke knacken könnte.
"Die deutsche Wirtschaft steht unter enormem Druck", kommentierte der IW-Konjunkturchef Michael Grömling die Zahlen im Mai. Unternehmen würden unter unnötig viel Bürokratie und hohen Steuern leiden. Die Koalition aus Union und SPD habe Entlastungen angekündigt. "Je schneller sie kommen, desto besser", so das Wirtschaftsinstitut.
Deutschland würde ganz besonders unter den Folgen von US-Präsident Donald Trump und weltweiten Unsicherheiten leiden, so das IW weiter. Spezifische Probleme für Deutschland seien die hohen Standortkosten und die daraus resultierende Vorsicht bei größeren Anschaffungen. Laut IW-Experten belasten vor allem Energiepreise, steigende Löhne und viele Regulierungen die Unternehmen.
Der Deutsche Gewerkschaftsbund warnt jedoch, dass Kürzungen gerade jetzt das falsche Signal sind. Stattdessen fordert DGB-Vorstandsmitglied Anja Piel am Freitag eine schnellere Vermittlung. "In einer Zeit, in der Arbeitgeber weniger einstellen, müssen Arbeitssuchende deutlich schneller mit offenen Stellen zusammengebracht werden."
Das Risiko würde steigen, dass Arbeitslose langfristig keine neue Arbeit finden, derzeit schaffen dies nur rund sechs Prozent. "Arbeitsmarktpolitik, die wirkt, setzt Impulse für Wirtschaftswachstum und schafft gleichzeitig gute Förderangebote und Brücken in Arbeit", sagt Piel weiter. Mit Angeboten der Weiterbildung und Qualifizierung könnten Lücken auf dem Arbeitsmarkt geschlossen werden.
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