"Vergewaltigungsliste" an römischem Elite-Gymnasium sorgt für Entsetzen
In der römischen Staatlichen Höheren Schule Giulio Cesare wurde in den Toiletten eine Inschrift entdeckt, in der die Namen von etwa einem Dutzend Schülerinnen aufgeführt waren – eine sogenannte „Vergewaltigungsliste“. Obwohl bisher keine Hinweise auf körperliche Übergriffe vorliegen, handelt es sich um einen Akt des Vandalismus, der ein ernstes Klima der Einschüchterung und Verunsicherung unter den Mädchen und der gesamten Schulgemeinschaft ausgelöst hat.
Obwohl der Vorfall nicht mit tatsächlicher Aggression einherging, wurde er von Experten und Behörden als Ausdruck latenter sexistischer Gewalt betrachtet – als Symbol für tief verwurzelte Stereotypen und eine patriarchalische Kultur, die den Missbrauch des weiblichen Körpers normalisiert.
Die Schuldirektorin Paola Senesi reagierte umgehend mit einem Rundschreiben an Schüler und Lehrer, in dem sie bekräftigte, dass das Gymnasium keine Form von Gewalt oder Diskriminierung dulde. Senesi betonte, wie wichtig es sei, den Schülern die verfassungsmäßigen Werte, den gegenseitigen Respekt und die gleiche Würde von Männern und Frauen zu vermitteln, und hob hervor, dass dieser Vorfall zeige, wie sehr es noch notwendig sei, gezielte Bildungsprogramme zu stärken.
Die Rolle des Ministeriums und die Schulordnung
Der Bildungsminister Giuseppe Valditara bezeichnete den Vorfall als "schwerwiegend" und kündigte an, dass er untersucht und gegebenenfalls sanktioniert werde. Er verwies auf die neuen Richtlinien zur politischen Bildung, die Pflichtkurse über Respekt gegenüber Frauen und gesunde Beziehungen vorsehen.
Diese Kurse, die vor Kurzem an allen italienischen Gymnasien eingeführt wurden, sollen Gewalt und Diskriminierung vorbeugen, indem sie Schülerinnen und Schüler darin schulen, sexistische Stereotypen und Mobbing zu erkennen und zu bekämpfen.
Obwohl das Graffiti keine direkten physischen Folgen hatte, betonte der Minister, dass ähnliche Vorfälle wichtige Hinweise auf schädliche kulturelle Einstellungen seien, die -ohne geeignete erzieherische Maßnahmen - zu aggressivem oder einschüchterndem Verhalten führen könnten.
Politische und kulturelle Reaktion
Die Affäre löste in der italienischen Politik unterschiedliche Reaktionen aus. Vertreterinnen der Demokratischen Partei wie Irene Manzi und Cecilia D’Elia bezeichneten die Inschrift als "Akt purer Gewalt" und forderten die strukturelle Einführung von Unterrichtseinheiten zur Sexualerziehung und Einwilligung. Prävention könne sich nicht auf Strafen im Nachhinein beschränken, betonten sie.
Maria Elena Boschi von Italia Viva wies darauf hin, dass derartige Vorfälle eine weiterhin weit verbreitete patriarchalische Kultur widerspiegelten, und unterstrich die Bedeutung, bereits in der Schule Respekt vor Grenzen und gesunden Beziehungen zu vermitteln.
Giovanna Miele von der Lega nannte den Vorfall "grausam" und betonte die Dringlichkeit, eine Kultur des Respekts und der Verantwortung zu fördern. Die Europaabgeordnete Martina Semenzato von Coraggio Italia sowie Mitglieder der Gruppe Noi Moderati hoben die Notwendigkeit eines integrierten Ansatzes hervor, der Gesetzgebung, Bildung und kulturelles Bewusstsein verbindet und Schulen, Familien und die Zivilgesellschaft einbezieht.
Ein weit verbreitetes Phänomen in Europa
Der Fall am Lycée Giulio Cesare ist kein Einzelfall. In vielen europäischen Schulen existieren latente Formen sexistischer Gewalt, die sich in beleidigenden Kommentaren, digitalem Mobbing, verbaler Belästigung oder symbolischen Handlungen wie Vandalismus äußern.
Studien aus Frankreich, Deutschland und dem Vereinigten Königreich zeigen, dass strukturierte Kampagnen zur sexuellen und affektiven Bildung respektvolles Verhalten fördern und die Zahl von Einschüchterungen sowie Aggressionen deutlich senken können.
Europäische Experten sehen in solchen Vorfällen ein Symptom tiefer liegender kultureller Probleme: Manche Schulgemeinschaften tun sich schwer damit, sexistische Stereotypen als Gewalt anzuerkennen, weil sie häufig als Scherz oder "Streich" abgetan werden.
Die Reaktion des Gymnasiums und die Zukunftsaussichten
Das Julius-Caesar-Lyzeum hat bereits damit begonnen, betroffene Schülerinnen zu unterstützen und die Schulgemeinschaft zu sensibilisieren. Geplant sind Workshops zum Thema Respekt, Schulungen sowie Präventionsprogramme. Der Vorfall unterstreicht die Dringlichkeit, Bildungs- und Ordnungsmaßnahmen weiter zu stärken, um jeder Form geschlechtsspezifischer Gewalt vorzubeugen - mit Fokus auf langfristigen kulturellen Wandel statt bloßer Sanktionen im Nachhinein.
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