Skandal zum Auftakt: AfD prüft Mitgliedschaft nach Hitler-ähnlicher Rede in Gießen
Während am Samstag in Gießen rund um den AfD-Jungendkongress draußen Chaos herrschte, sorgte im Saal selbst eine Rede für erhebliche Irritationen. Ein Bewerber namens "Alexander Eichwald" trat bei dem AfD-Kongress für einen Vorstandsposten an und hielt eine Bewerbungsrede, die in Tonfall und Auftreten stark an Adolf Hitler erinnerte.
Mit betont rollendem "R" sprach er die Anwesenden als "Parteigenossen und -genossinnen" an und erklärte: "Die Liebe und Treue zu Deutschland teilen wir uns hier gemeinsam" sowie: "Es ist und bleibt unsere nationale Pflicht, die deutsche Kultur vor Fremdeinflüssen zu schützen."
Ein Ausschnitt des Auftritts wurde später von der Kommunikationsreferentin der Grünen NRW, Mareile Ihle, auf X veröffentlicht - mit dem Kommentar, die Szene erinnere an die 1930er Jahre.
Im Saal reagierten die Delegierten mit scharfer Kritik. Unter lautem Beifall wurde Eichwald gefragt, ob er ein V-Mann des Verfassungsschutzes sei. Sein auffälliges rollendes "R" begründete er selbst damit, Russlanddeutscher zu sein.
Nach dem Auftritt kamen schnell Spekulationen auf, es könne sich um eine satirische Inszenierung handeln, die der AfD schaden sollte. Eichwald wies das jedoch zurück. Auf die Frage der dpa, ob seine Rede ernst gemeint gewesen sei, sagte er beim Verlassen der Halle lediglich: "Ja."
Gleichzeitig kursierten im Netz verschiedene Hinweise zu seiner Vergangenheit. Nutzer verwiesen darauf, dass Eichwald früher unter dem Künstlernamen "Alex Oak" aktiv gewesen sein soll, entsprechende Online-Profile sind inzwischen kaum noch auffindbar. Zudem tauchten Fotos aus einer Regionalzeitung auf, die ihn vor etwa sechs Jahren mutmaßlich als Praktikanten bei der Gleichstellungsstelle in Herford zeigen.
Eichwald betont weiterhin, seine Rede sei kein Kunstprojekt, sondern ernst gemeint gewesen.
Parteivorstand prüft Mitgliedschaft
Nach Angaben von AfD-Chef Tino Chrupalla stammt Eichwald aus dem Landesverband Nordrhein-Westfalen. Die Parteispitze bewertet seinen Auftritt inzwischen als so problematisch, dass sie eine Prüfung einleitet.
"Mit dem Inhalt sowie der Art und Weise seines Bewerbungsvortrags hat sich Alexander Eichwald von den Grundsätzen der Partei distanziert", sagte Chrupalla am Samstag der Deutschen Presse-Agentur. Der Bundesvorstand missbillige den Auftritt "ausdrücklich" und sehe sich veranlasst, Eichwalds Daten und Mitgliedsrechte zu überprüfen.
Bereits jetzt auf Distanz?
Insgesamt sendet die Parteispitze ambivalente Signale zur neuen Jugendorganisation. AfD-Chef Tino Chrupalla lobte im ntv-Interview zwar die "Professionalisierung" des Neuanfangs und betonte, die Jugend müsse "unangenehm" bleiben.
Ganz rückhaltlos stellt sich die Mutterpartei bisher jedoch nicht hinter den neuen AfD-Jugendchef Jean-Pascal Hohm.
Der hatte in der vergangenen Woche im ntv-Interview den Begriff "Bevölkerungsaustausch" verwendet. Auf die Frage, ob auch Chrupalla diesen Begriff teile, wich der AfD-Chef zunächst aus. Schließlich erklärte er, "so sollte man das nicht nennen" - über die Tonalität wolle man noch sprechen. Hohm stehe in seiner neuen Rolle derzeit noch "unter Bewährung".
Das gilt in gewisser Weise auch für die neue Jugendorganisation gegenüber dem Verfassungsschutz: Anders als die frühere JA wird sie nicht automatisch zum Verdachtsfall. Das Bundesamt für Verfassungsschutz betont, man werde die Aktivitäten zunächst beobachten. Eine Bewertung sei erst möglich, wenn Struktur und Auftreten klar erkennbar sind.
Experten sehen keine Mäßigung
Dennoch: Bereits bei den Bewerbungsreden auf den Vorstand setzten am Samstag mehrere Kandidaten auf offen rechte bis radikal-nationalistische Rhetorik.
Der Baden-Württemberger Mio Trautner etwa verlangte, "die Abschiebungen im Land endlich zu starten, damit die Startbahnen in Deutschland glühen".
Beifall erhielt auch die spätere Vorständin Julia Gehrkens, die erklärte: "Nur millionenfache Remigration schützt unsere Frauen und Kinder." Cedric Krippner, ebenfalls neu im Vorstand, griff denselben Begriff auf und sprach ebenfalls von "millionenfacher Remigration".
Fachleute sehen darin kein Zufallsszenario. Der Rechtsextremismusexperte Christoph Schulze sagte der Welt, die Wahl Hohms sei "keinesfalls als Signal für eine Mäßigung zu werten", vielmehr stehe er für ein "Festhalten am radikalen Kurs".
Auch Bundesinnenminister Alexander Dobrindt rechnet damit, dass die neu gegründete AfD-Jugendorganisation eine klar extremistische Ausrichtung entwickeln wird. In den Zeitungen der Mediengruppe Bayern sagte er, die AfD sei "eine extremistische Partei" - die Hoffnung, dass sich deren Jugendorganisation davon abgrenze, tendiere "gegen null".
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