UN-Agentur: Neuer Höchststand bei Todesfällen unter Migranten im Jahr 2024

Laut neuen Zahlen der Internationalen Organisation für Migration (IOM) starben im Jahr 2024 weltweit mindestens 8.938 Menschen auf den Migrationsrouten. Damit war es das tödlichste Jahr aller Zeiten.
Der neue Höchststand bedeutet die Fortsetzung eines fünfjährigen Trends. Todesfälle unter Flüchtenden nehmen jedes Jahr zu - 2024 übertrifft den bisherigen Rekord von 8.747 toten Migranten aus dem Jahr 2023.
"Die Tragödie der weltweit steigenden Zahl von Todesfällen unter Migranten ist sowohl inakzeptabel als auch vermeidbar. Hinter jeder Zahl steht ein Mensch, jemand, für den der Verlust verheerend ist", so der stellvertretende IOM-Generaldirektor für Operationen, Ugochi Daniels.
Der Juli 2024 war mit 1.130 Personen der Monat mit der höchsten Zahl an Todesfällen und Vermissten.
Die meisten Todesfälle gab es in Asien mit 2.778 Personen, gefolgt von Afrika mit 2.242 und Europa mit 233 Todesfällen.
Überall auf der Welt waren die Hauptursachen für den Tod von Menschen auf der Flucht Ertrinken, Fahrzeugunfälle, ein Mangel an angemessenen Unterkünften, fehlende Nahrung und Wasser sowie Gewalt.
Seit 2022 sind mindestens zehn Prozent aller erfassten Todesfälle von Migranten auf Gewalt zurückzuführen.
In Europa ging die Zahl zuletzt auf sechs Prozent zurück.
Im Jahr 2024 war der Rückgang größtenteils auf Gewalt gegen Menschen auf der Durchreise in Asien zurückzuführen, wobei fast 600 Menschen auf den Migrationsrouten durch Süd- und Südostasien ums Leben kamen.
Vermisste werden nicht geborgen oder identifiziert
Die tatsächliche Zahl der getöteten und verschwundenen Migranten ist wahrscheinlich deutlich höher, viele Todesfälle werden aufgrund fehlender offizieller Quellen nicht dokumentiert.
Allein seit 2014 wurden die sterblichen Überreste von mehr als 30.000 Menschen, die auf der Flucht ihr Leben verloren haben, nicht geborgen.
Nach Angaben des IOM-Projekts für vermisste Migranten gibt es zehntausende von Familien, die Angehörige haben, die allein auf der zentralen und westlichen Mittelmeerroute verschwunden sind.
"Der Anstieg der Todesfälle ist an sich schon schrecklich, aber die Tatsache, dass jedes Jahr tausende Menschen unidentifiziert bleiben, ist noch tragischer", so Julia Black, Koordinatorin des IOM-Projekts für vermisste Migranten.
"Abgesehen von der Verzweiflung und den ungelösten Fragen, mit denen sich die Familien konfrontiert sehen, die einen geliebten Menschen verloren haben, behindert das Fehlen vollständiger Daten über die Risiken, denen die Migranten ausgesetzt sind, lebensrettende Maßnahmen."
Die tödlichste Route ist die zentrale Mittelmeerroute, auf der in den letzten zehn Jahren mehr als 24.000 Menschen ums Leben gekommen sind.
In Europa waren die Migrationsrouten mit den meisten Todesopfern hingegen die Westbalkanroute sowie die Route über den Ärmelkanal nach Großbritannien.
Die Westbalkanroute wird in der Regel von Migranten genutzt, die von der Türkei aus in Griechenland oder Bulgarien ankommen und versuchen, West- oder Nordeuropa zu erreichen.
"Die Zunahme der Todesfälle in vielen Regionen der Welt zeigt, warum wir eine internationale, ganzheitliche Reaktion brauchen, damit weitere tragische Verluste an Menschenleben verhindert werden können", so Ugochi Daniels.
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