Wie werden sich die US-Zölle auf die Geldbörsen der Europäer auswirken?

Das Inkrafttreten von Zöllen in Höhe von 20 Prozent auf europäische Produkte könnte zu einer Deflation, also einem Preisrückgang in Europa führen.
Diese würde durch ein erhöhtes Angebot aus China, aber auch innerhalb der Europäischen Union verursacht werden.
"Einer der Faktoren, durch den die EU einen Preisrückgang erleben wird, sind natürlich die Exporte aus Ländern wie China, die nun nach Europa umgeleitet werden", sagt Niclas Poitiers, Forscher beim Thinktank Bruegel, gegenüber Euronews.
"Der zweite Faktor, der erklärt, warum Europa möglicherweise einen potenziellen Preisrückgang erleben könnte, ist, dass einige der für die USA bestimmten Exporte jetzt auf dem Markt bleiben. Wenn jetzt zum Beispiel hohe Zölle auf italienischen Wein erhoben werden, wird eine größere Menge dieses Weins im Binnenmarkt landen und somit werden die Preise für diese Produkte sinken", so der Forscher.
Auf den ersten Blick scheint ein Preisrückgang vorteilhaft zu sein, um die Kaufkraft und den Konsum der Europäer anzukurbeln und somit das Wachstum zu fördern. Billig einkaufen hat aber auch seinen Preis.
Denn auf der anderen Seite wirkt sich eine Deflation negativ auf die Wirtschaft aus, da sie die Haushalte dazu veranlasst, ihre Einkäufe in Erwartung weiterer Preissenkungen aufzuschieben. Dadurch entsteht ein Teufelskreis, der durch sinkende Löhne und steigende Arbeitslosigkeit gekennzeichnet ist.
Das größte Wirtschaftsrisiko: Unsicherheit
Für Tobias Gehrke, Wissenschaftler am European Council for International Relations (ECFR), stellt die derzeitige Unsicherheit das größte Risiko für die Wirtschaft dar.
"Diese Zölle sind flächendeckend. Alle Produkte, alle Exporte von Europa nach Amerika werden betroffen sein. Denken Sie an Maschinen, Chemikalien und Autos. Diese Unternehmen werden jetzt vielleicht mit einer neuen Belastung konfrontiert", erklärt der Forscher gegenüber Euronews.
"Ich denke, das ist das größte Risiko. Die Unsicherheit, die eintreten wird, bedeutet, dass die Unternehmen möglicherweise nicht in Europa investieren. Das könnte sich in einigen Monaten oder Jahren sehr negativ auf die Beschäftigung und das Wachstum auswirken", fährt er fort.
Allerdings können auch Wirtschaftswissenschaftler die Zukunft nicht vorhersagen, zumal viele noch unbekannte Faktoren die Prognosen zusätzlich erschweren. Insbesondere die Reaktion Chinas und die Reaktion der Europäischen Union werden maßgeblich sein. Außerdem hängt einiges davon ab, ob US-Präsident Donald Trump die Zölle weiterhin als Hebel in anderen Verhandlungen einsetzen wird.
Mit einer riesigen Papptabelle unter dem Arm kündigte der US-Präsident am Mittwoch eine Reihe von Zöllen an, die die Weltwirtschaft auf den Kopf stellen könnten.
Im Jahr 2023 verzeichnete die EU einen Handelsüberschuss von 48 Milliarden Euro mit den USA.
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