"Schwerer Schlag": So reagiert die Welt auf Trumps Zollpaket

Politiker aus Ländern, Bündnissen und verschiedenen Kontinenten haben auf US-Präsident Donald Trump reagiert. Er hat am Mittwochabend neue Zölle angekündigt: 20 Prozent auf Importe aus der Europäischen Union.
Es sei ein schwerer Schlag für die Weltwirtschaft und die Auswirkungen "werden für Millionen Menschen schrecklich sein", sagte die Präsidentin der Europäischen Kommission, Ursula von der Leyen. Lebensmittel, Transport und Medikamente würden teurer, sagte sie, "und das schadet vor allem den bedürftigsten Bürgern".
Von der Leyen räumte ein, dass das Welthandelssystem "ernsthafte Mängel" aufweise und sagte, die EU sei bereit, mit den USA zu verhandeln, aber auch mit Gegenmaßnahmen zu reagieren.
Die Ankündigung von US-Präsident Donald Trump, Zölle zu erheben, stieß bei den wichtigsten Handelspartnern der Vereinigten Staaten zunächst auf verhaltene Reaktionen. Die Europäische Union muss "entschlossen, aber klug" handeln, mahnte der EU-Ratspräsident António Costa am vergangenen Tag noch. Ein drohender Handelskrieg soll vermieden werden.
Trump stellte die Einfuhrzölle, die er als "gegenseite Abgaben" bezeichnet und die zwischen zehn und 49 Prozent liegen, in einfachen Worten vor: Die USA würden ihren Handelspartnern das antun, was sie den USA seit Jahrzehnten angetan hätten, sagte er.
"Die Steuerzahler werden seit mehr als 50 Jahren abgezockt", so Trump. "Aber das wird nicht mehr passieren". Der Präsident versprach, dass "Arbeitsplätze und Fabriken wieder in unser Land zurückkehren werden". Er bezeichnete dies nicht nur als eine wirtschaftliche Frage, sondern als eine Frage der nationalen Sicherheit, die "unsere Lebensweise" bedroht.
Die Finanzmärkte wurden durch die Ankündigung erschüttert, die US-Aktien fielen am frühen Donnerstag um bis zu 3 Prozent. Die Börse in Tokio führte die Verluste in Asien an. Die Ölpreise sanken um mehr als zwei Dollar pro Barrel und der Preis von Bitcoin fiel um 4,4 Prozent.
Führende Politiker aus der Welt reagieren auf Zölle
Kurz nach Trumps Ankündigung erklärte die britische Regierung, die Vereinigten Staaten blieben der "engste Verbündete" Großbritanniens. Das Vereinigte Königreich hoffe, ein Handelsabkommen abzuschließen, um die Auswirkungen" der von Trump angekündigten zehn-prozentigen Zölle auf britische Waren zu mildern, sagte Wirtschaftsminister Jonathan Reynolds.
"Niemand will einen Handelskrieg, und unsere Absicht bleibt es, eine Einigung zu erzielen", erklärte Reynolds. "Aber nichts ist vom Tisch, und die Regierung wird alles Notwendige tun, um die nationalen Interessen des Vereinigten Königreichs zu verteidigen".
Italiens konservative Ministerpräsidentin Giorgia Meloni bezeichnete die neuen 20-prozentigen Zölle gegen die Europäische Union als "falsch" und sagte, dass sie keiner Seite nützen. "Wir werden alles tun, um auf eine Einigung mit den Vereinigten Staaten hinzuarbeiten, mit dem Ziel, einen Handelskrieg zu vermeiden, der den Westen unweigerlich zugunsten anderer globaler Akteure schwächen würde", so Meloni in einem Facebook-Post.
Die brasilianische Regierung erklärte, sie erwäge, den Fall vor die Welthandelsorganisation zu bringen. Später verabschiedete der brasilianische Kongress einstimmig ein Gesetz zur Gegenseitigkeit. Es erlaubt der brasilianischen Regierung, Vergeltungsmaßnahmen gegen jedes Land zu ergreifen, das Zölle auf brasilianische Waren erhebt.
Ein Versuch der Schadensbegrenzung
Asiatische Länder, die zu den größten Exporteuren in die USA gehören, versprachen schnelles Handeln. Sie wollen von den Zöllen betroffene Automobilhersteller und andere Unternehmen unterstützen.
Südkoreas amtierender Regierungschef, Ministerpräsident Han Duck-soo, wies Regierungsvertreter an, mit Wirtschaftsverbänden zusammenzuarbeiten. Sie sollen die möglichen Auswirkungen der neuen Zölle in Höhe von von 25 Prozent analysieren, um "den Schaden minimieren", so das Handelsministerium.
Das chinesische Handelsministerium erklärte, Peking werde "entschlossen Gegenmaßnahmen ergreifen, um seine eigenen Rechte und Interessen zu schützen". Weitere Details sind noch unklar. Auf frühere Zollerhöhungen hatte China streng reagiert. Sie verhängten ebenso hohe Zölle auf US-Exporte von landwirtschaftlichen Erzeugnissen und schränkte die Ausfuhr von strategisch wichtigen Mineralien, die für Hightech-Industrien wie Elektrofahrzeuge verwendet werden, ein.
"China fordert die Vereinigten Staaten auf, ihre einseitigen Zollmaßnahmen unverzüglich aufzuheben und die Differenzen mit ihren Handelspartnern im Rahmen eines gleichberechtigten Dialogs angemessen zu lösen", hieß es.
Einige Länder waren mit den Berechnungen des Weißen Hauses nicht einverstanden. Der australische Premierminister Anthony Albanese sagte, die gegen sein Land verhängten US-Zölle seien völlig ungerechtfertigt, aber Australien werde keine Vergeltungsmaßnahmen ergreifen. Er sagte auf der Social Media Plattform X, dass Australien sich gut vorbereitet hätte.
"Präsident Trump sprach von reziproken Zöllen. Ein reziproker Zoll wäre null, nicht 10 Prozent", sagte Albanese. Die USA und Australien haben ein Freihandelsabkommen, und die USA haben einen Handelsüberschuss von zwei zu eins Dollar mit Australien. "Das ist nicht die Tat eines Freundes".
Trump sagte, die Vereinigten Staaten hätten im vergangenen Jahr australisches Rindfleisch im Wert von drei Milliarden Dollar gekauft, aber Australien würde keine US-Rindfleischimporte akzeptieren. Albanese erklärte, das Verbot von rohem US-Rindfleisch erfolge aus Gründen der Biosicherheit.
Die Verhängung von Zöllen in Höhe von 29 Prozent gegen den winzigen südpazifischen Außenposten Norfolk Island war ein Schock. Das australische Territorium hat rund 2.000 Einwohner, und die Wirtschaft dreht sich um den Tourismus.
"Soweit ich weiß, exportieren wir nichts in die Vereinigten Staaten", sagte der Administrator der Norfolkinsel, George Plant, der Vertreter der australischen Regierung auf der Insel, am Donnerstag gegenüber der AP. "Wir erheben keine Zölle auf irgendetwas. Ich kann mir auch keine nichttarifären Handelshemmnisse vorstellen, die es geben würde, also können wir uns hier nur den Kopf zerbrechen."
Auch Neuseeland widersprach Trumps Zollpaket. "Wir haben keine 20 Prozent Zölle", sagte Handelsminister Todd McClay und fügte hinzu, dass Neuseeland "ein sehr niedriges Zollsystem" sei und die korrekte Zahl unter dem Basissatz von 10 Prozent liege, den die USA auf alle Länder anwenden.
"Wir werden keine Vergeltungsmaßnahmen ergreifen. Das würde die Preise für die neuseeländischen Verbraucher in die Höhe treiben und zu einer Inflation führen", sagte er.
Mexiko und Kanada sind von der jüngsten Runde der Zölle vorerst verschont geblieben. Die bereits angekündigten Zölle von 25 Prozent auf Autoimporte sollten jedoch um Mitternacht in Kraft treten.
Die mexikanische Präsidentin Claudia Sheinbaum sagte am Mittwoch, sie werde mit ihren Gegenmaßnahmen warten, bis klar sei, wie sich Trumps Ankündigung auf Mexiko auswirken werde. "Es geht nicht darum, dass wenn Sie mir Zölle auferlegen, ich Ihnen Zölle auferlegen werde", sagte sie am Mittwochmorgen. "Unser Interesse ist es, die mexikanische Wirtschaft zu stärken."
Kanada hatte als Reaktion auf die 25-prozentigen Zölle, die Trump mit dem Handel von Fentanyl in Verbindung brachte, Vergeltungszölle verhängt. Als Reaktion auf die Stahl- und Aluminiumzölle verhängte die Europäische Union Steuern auf US-Waren im Wert von 26 Milliarden Euro (28 Milliarden Dollar), darunter Bourbon. Trump drohte daraufhin mit einem 200-prozentigen Zoll auf europäischen Alkohol.
Wenig zu gewinnen
Als Trump am Mittwoch die Liste der Länder verlas, gegen die Zölle verhängt werden sollen, sagte er wiederholt, dass er ihnen keine Schuld an den Handelsschranken gebe, die sie zum Schutz der Unternehmen ihrer eigenen Länder errichtet hätten. "Aber wir machen gerade das Gleiche", sagte er.
"Angesichts des unerbittlichen Wirtschaftskriegs können die Vereinigten Staaten nicht länger mit einer Politik der einseitigen wirtschaftlichen Kapitulation fortfahren", sagte Trump.
Der chilenische Präsident Gabriel Boric warnte auf einem Wirtschaftsforum in Indien, dass solche Maßnahmen nicht nur zu Unsicherheit führen, sondern auch die "gegenseitig vereinbarten Regeln" und die "Grundsätze des internationalen Handels" in Frage stellen.
Der kolumbianische Präsident Gustavo Petro, der schon früher mit Trump aneinandergeraten ist, sagte via X, dass die Zölle einen globalen Meilenstein darstellen: "Heute ist der Neoliberalismus, der die Freihandelspolitik auf der ganzen Welt verkündet hat, gestorben."
Analysten sind der Meinung, dass ein umfassender Handelskrieg weder den Vereinigten Staaten noch anderen Ländern etwas bringen würde. "Wieder einmal hat Trump Europa an einen Scheideweg gestellt", sagte Matteo Villa, leitender Wissenschaftler am italienischen Institut für internationale politische Studien.
"Wenn Trump wirklich hohe Zölle erhebt, wird Europa darauf reagieren müssen, aber das Paradoxe ist, dass die EU besser dran wäre, wenn sie nichts täte", fügte er hinzu und wies darauf hin, dass der EU-Block mehr von Exporten in die USA abhängt als umgekehrt.
"Auf der anderen Seite scheint Trump nur die Sprache der Gewalt zu verstehen, und das zeigt die Notwendigkeit einer starken und sofortigen Antwort", sagte Villa. "Wahrscheinlich hofft man in Brüssel, dass die Antwort stark genug sein wird, um Trump zu Verhandlungen und bald zu einem Rückzieher zu bewegen."
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