Brüssel, meine Liebe? Europas strategische Autonomie - funktioniert sie?

Energieriegel, Wasser, Medikamente - die EU-Kommission möchte, dass die Bürgerinnen und Bürger eine 72-Stunden-Überlebensausrüstung zu Hause haben. Warum? Um besser auf mögliche Krisen wie Naturkatastrophen, Industrieunfälle oder Cyber- und Militärangriffe vorbereitet zu sein.
Aber das ist nur auf individueller Ebene. Politisch unternimmt Europa derzeit Schritte, um unabhängiger zu werden und sich an allen Fronten zu rüsten. Funktioniert das?
Darüber diskutierten in dieser Ausgabe unserer wöchentlichen Talkshow, dieses Mal aus dem Europäischen Parlament in Straßburg, die EU-Abgeordneten Andrea Wechsler (CDU), Matthias Ecke (SPD) und Martin Schirdewan (Die Linke).
Friedrich Merz, Deutschlands nächster Bundeskanzler, hat es noch am Wahlabend unverblümt gesagt: Seine „absolute Priorität“ werde es sein, Europa so schnell wie möglich zu stärken, „um wirklich unabhängig von den USA zu werden“.
Die offen feindselige Haltung der Trump-Administration hat die Diskussionen über die strategische Autonomie abrupt beschleunigt - eine Idee des französischen Präsidenten Emmanuel Macron seit 2017. Kein Wunder, dass Merz und Macron bereits beste Freunde sind.
Von der Chip-Produktion bis zu kritischen Medikamenten, von der Sicherung der Lieferketten bis zur Aufrüstung des Militärs - Europa will angesichts russischer Aggression, chinesischen Selbstbewusstseins und amerikanischen Protektionismus auf eigenen Füßen stehen.
Der Kontinent sieht sich selbst als einsamen Fackelträger der liberalen Demokratie. Eine Art Überlebender. Und Brüssel hat seine Bürger bereits aufgefordert, ein Überlebenspaket bereitzuhalten - für Krisen, die kommen können oder auch nicht.
Ein Schwerpunkt der Strategie ist die Schaffung von Vorräten von wichtigen Produkten, insbesondere von Medikamenten - etwas, das auch zur Notfallausrüstung gehören sollte. Verfügt Europa über die dafür notwendigen Versorgungsketten?
Massive deutsche Ausgaben für Aufrüstung und Infrastruktur sowie die Pläne Brüssels, mehr als 800 Milliarden Euro zu mobilisieren, werden sich erst mit der Zeit bemerkbar machen. Aber wird dies die globale Rolle Europas und seine Wahrnehmung der Rolle, die Europa spielen sollte, für immer verändern?
Zweites Thema: Handel. Die Weltwirtschaft kämpft damit, die jüngste Salve von Donald Trumps Zöllen zu verarbeiten - und dabei sind es die Unternehmen und Verbraucher überall, die am Ende wohl die Zeche zahlen, so oder so.
Die Europäische Zentralbank warnte erneut vor schwerwiegenden wirtschaftlichen Folgen, Goldman Sachs stufte das Rezession-Risiko für die USA auf 35 % hoch, und die Aktienmärkte in aller Welt erleben einen schlechten Handelstag nach dem anderen.
Es steht also alles auf dem Spiel: Die Inflation steigt, der Konsum zeigt Anzeichen von Schwäche und die Stimmung der Verbraucher sinkt. All das ist die Folge von Trumps Zollpolitik. Wie schlimm kann es werden?
Schließlich diskutierte die Runde Argumente für und gegen das Festhalten des Europäischen Parlaments an seinen zwei Sitze Straßburg und Brüssel.
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