Luxusbunker und Überlebenskurse: So bereiten sich Spanier auf Krisen vor

Der Ukraine-Krieg und die zunehmenden geopolitischen Spannungen haben das Interesse an einer Vorbereitung auf einen Ernstfall auch in Spanien verstärkt. Der Bau privater Bunker hat nach Angaben von Unternehmen der Branche seither um 200 Prozent zugenommen. Der Trend breitet sich auch im übrigen Europa aus: die meisten Bunker gibt es in Deutschland, Frankreich und die baltischen Staaten.
Viele Familien sind auf der Suche nach Hochsicherheitsunterkünften. Manche der neu gebauten Bunker sind resistent gegen nukleare Strahlung. Sie verfügen über Strahlungsduschen, Beton- und Stahlwände sowie gepanzerte Türen.
Wie sieht ein Hochsicherheits-Atombunker aus?
Die Firma Búnker-VIP hat gerade einen Bunker fertiggestellt, ein Spanier hatte ihn aus Angst vor einem bewaffneten Konflikt einrichten lassen. Geschäftsführer Fernando Díaz versichert, dass er einer "Wohnung mit einem hohen Sicherheitsniveau gleicht, in der man monatelang leben könnte." Das Gebäude ist mit Tanks für 1.000 Liter Trinwasser und mehreren Notstromsystemen ausgestattet.
Bei durchschnittlichen Kosten von 150.000 Euro sind solche Unterkünfte jedoch ein Luxus, den sich nur wenige leisten können.
Vorbereitung auf "große Bedrohungen"
Die europäischen Staats- und Regierungschefs betonen die Dringlichkeit, vorbereitet zu sein. "Wir müssen in großen Dimensionen denken, weil die Bedrohungen größer sind", sagte Hadja Lahbib, Kommissarin für Krisenmanagement. Roxana Minzatu,** Kommissarin für Abwehrbereitschaft, fügte hinzu: "Die Pandemie hat gezeigt, dass gemeinsames, solidarisches Handeln entscheidend ist. Das macht uns stärker."
Manolo Cámara, Oberstleutnant und Autor des Buches 'Get Ready', trainiert seit Jahren Zivilisten in Überlebensfragen. Er stellt eine Veränderung fest: "Bis jetzt war das Interesse nicht sehr groß. Mit dem Krieg in der Ukraine haben die Menschen begonnen, sich Sorgen zu machen. Wenn auch in Spanien viel weniger als im Rest der EU".
In seinen Kursen, die er in verschiedenen Städten Spaniens anbietet, vermittelt er grundlegende Fertigkeiten: "Man muss seinen Rucksack bereithalten, wissen, wie man ein Feuer macht, Wasser findet, einen Unterschlupf baut und mit einer Karte navigiert. In einem Krieg fehlt es an Nahrung, Wasser und medizinischer Versorgung. Man muss wissen, wie man sich in solchen Fällen zu verhalten hat."
Für den Oberstleutnant ist Wissen der Schlüssel: "Das Wichtigste am Rucksack ist das, was nichts wiegt: wissen, wie man ihn benutzt. Man muss einen Familienplan mit Treffpunkten und Evakuierungsrouten haben."
Ignacio Ortega, Leiter des Unterrichts an der spanischen Survival-Schule, bestätigt die steigende Zahl der Interessenten: "Es kommen alle möglichen Leute, nicht nur aus dem Sicherheitssektor, sondern auch ganze Familien und Freiberufler. Seit dem Krieg in der Ukraine hat sich das Profil verändert: Früher waren es Naturliebhaber, heute sind es normale Familien, die Angst haben".
Mit rund 2.000 Schülern pro Jahr betont Ortega, dass der Schlüssel zur Lösung in der Prävention liegt: "Vor jeder Aktivität sollte man die Risiken abschätzen und sich mit Ressourcen und Wissen vorbereiten." Er sagt, dass Krisen in Städten am wahrscheinlichsten und auch am gefährlichsten sind: "Die meisten Menschen werden in einer Überlebenssituation in der Stadt leben, ohne Strom oder Vorräte, nicht in einem idyllischen Wald."
Die Spannungen zwischen Russland und der NATO haben den Begriff "Atomkrieg" populär gemacht. Einige Experten sprechen von einem Paradigmenwechsel, und die EU drängt darauf, für den Konfliktfall Vorräte anzulegen.
Frankreich, Norwegen, Finnland und Schweden haben Kriegshandbücher verteilt, während Russland massenhaft mobile Atomschutzbunker baut - eine Maßnahme, die die Dringlichkeit für Länder im Konfliktgebiet unterstreicht.
Bunker in Spanien: Knapp und teuer
In Spanien stieg die Nachfrage nach privaten Bunkern nach der russischen Invasion in der Ukraine sprunghaft an. Die Regierung bereitet einen Nationalen Zivilschutzplan für "Kriegsrisiken" vor, aber es gibt nur vier öffentliche Atomschutzbunker im ganzen Land. Fast alle davon sind in der Hauptstadt: in der Residenz des Ministerpräsidenten, im Moncloa-Palast, im Stützpunkt Torrejón, im Park El Capricho und im Hotel Ébora (Toledo). Die U-Bahn-Tunnel könnten als Bunker genutzt werden - hier wäre man jedoch nicht vor nuklearer Strahlung geschützt.
Cámara überlegt: "Es ist kompliziert, einen Bunker zu Hause zu haben, aber wenn man einen Zweitwohnsitz auf dem Land oder einen Freund in einer anderen Gegend hat, sollte man ihn als Alternative nutzen."
Die Kosten sind ein Hindernis. Unternehmen wie Búnker VIP stellen Luxusmodelle her, die mehr als 350.000 Euro kosten, aber auch erschwinglichere Modelle, je nach den Bedürfnissen des Besitzers.
Ein effektiver Bunker sollte mindestens zehn Meter tief sein, mit robusten Wänden, Luft- und Wasserfiltern und stoßfesten Türen. Wenn es sich um einen Anti-Atom-Bunker handelt, sollte er eine Stahlverkleidung haben.
Angesichts des Mangels an öffentlichen Möglichkeiten entscheiden sich viele für die persönliche Vorsorge. Ein Trend, der nach Ansicht der von Euronews befragten Experten ohne Panikmache wächst: "Man muss nicht verrückt werden, aber man muss bereit sein".
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