Unwetter in Lombardei: Erdrutsche, eingestürzte Brücken, evakuierte Familien
Italien wird von einer neuen, intensiven Unwetterserie heimgesucht, vor allem der Norden des Landes. Sintflutartiger Regen, Gewitter, Hagel und starke Böen lösen Erdrutsche, Überschwemmungen, Überflutungen und Verkehrsprobleme aus. Am stärksten betroffen ist die Lombardei. Vor allem die Provinzen Brescia, Sondrio und Bergamo melden Katastrophenfälle.
Und die Situation dürfte sich zunächst nicht bessern: Für diesen Freitag hat der Zivilschutz die Warnstufe Orange wegen Gewittern und/oder hydrogeologischer Gefahren in Teilen von Friaul-Julisch Venetien, der Lombardei, Liguriens und der Toskana ausgegeben. Warnstufe Gelb gilt insgesamt für 13 Regionen.
Lombardei: Schwerste Lage in der Valcamonica
In der Lombardei trifft das Unwetter besonders die Gebirgs- und Voralpengebiete. In der Valcamonica im Raum Brescia haben Erdrutsche, Gerölllawinen und Überschwemmungen die Infrastruktur beschädigt und Straßenverbindungen unterbrochen.
In Sonico hat eine Mure Wasser, Felsblöcke und Geröll auf die Staatsstraße 42 del Tonale geschoben und eine Brücke zum Einsturz gebracht. Die Lage wird angesichts weiterer erwarteter Niederschläge genau beobachtet. Die Behörden haben vorsorgliche Evakuierungen vorbereitet, nach Angaben der Region mussten bereits 57 Menschen ihre Häuser verlassen.
In Vione trat ein Bach über die Ufer, und eine Schlammlawine ergoss sich über die Umgebung. Die Behörden prüfen eine vorsorgliche Evakuierung mehrerer Familien.
Die Niederschläge haben sehr hohe Mengen erreicht. Der regionale Zivilschutz meldet Spitzenwerte von fast 200 Millimetern Regen in 24 Stunden in einigen Gebieten. Die Gefahr geht nicht nur von neuen Gewittern aus, sondern auch von weiteren Hangrutschen und steigenden Pegeln der Fließgewässer.
Provinz Bergamo: Erdrutsche und gesperrte Straßen
Probleme meldet auch die Provinz Bergamo. In Branzi brach eine Böschung entlang der Provinzstraße 2 ab. Die umstürzenden Bäume beschädigten geparkte Autos. Mehrere Straßen mussten wegen Erdrutschen und Schlammlawinen gesperrt werden.
In Schilpario geriet eine Gruppe von 18 Jugendlichen durch den raschen Anstieg eines Bachs in Not und musste von Einsatzkräften gerettet werden.
Veltlin: Ortsteil in Teglio evakuiert
In der Provinz Sondrio sorgte der Anstieg eines Bachs in Teglio für eine Überschwemmung, weshalb der Bürgermeister die komplette Evakuierung eines Ortsteils anordnete. Eine Fußgängerbrücke in Ponte im Veltlin stürzte wegen der Überflutung des Forni-Beckens ein, der Zugang zum Gebiet wurde vorsorglich gesperrt. In der Provinzhauptstadt Sondrio rückte die Feuerwehr mehrfach zu überfluteten Kellern, Garagen und Unterführungen aus. Die Stadt hat außerdem den Parco Adda Mallero und den kommunalen Abschnitt des Sentiero Valtellina für die Öffentlichkeit geschlossen.
Auch in weiteren Provinzen der Lombardei mussten Straßen wegen Überflutungen oder umgestürzter Bäumen gesperrt werden. Gewitter und Hagel beschädigten außerdem Dächer.
Ligurien: 126 Millimeter Regen in Chiavari
Das Unwetter trifft auch Ligurien im Nordwesten mit Wucht. In Chiavari in der Provinz Genua fielen in den frühen Morgenstunden 126 Millimeter Regen.
Straßen verwandelten sich in Bäche, Überführungen wurden überflutet, die Feuerwehr im Dauereinsatz. Auch für Ligurien galt für diesen Freitag Warnstufe Orange.
Weiter östlich in der Provinz Trient löste ein heftiges Gewitter im Val Genova eine Gerölllawine aus. Felsgestein aus dem Rio Gabbiolo verschüttete eine Straße und bildete stellenweise bis zu zwei Meter hohe Hindernisse. Die Straße war angesichts der Wettervorhersagen schon vorsorglich gesperrt.
Erneut Gewitter: Warnstufe Orange oder Gelb, Flüsse unter Beobachtung
Eine rasche Entspannung ist nicht in Sicht. Der Zivilschutz erwartete auch für diesen Freitag noch eine instabile Wetterlage aufgrund von Unwettern aus Nordwesten, die über Italien ziehen. Für zahlreiche Provinzen wurden die Warnstufen Orange oder Gelb ausgerufen, bis weiter südlich in Latium, einschließlich Rom.
Der lombardische Zivilschutz überwacht Flussläufe und besonders gefährdete Gebiete. In der Provinz Brescia wurde ein Zentrum zur Koordinierung der Hilfseinsätze eingerichtet. Die Bevölkerung in den gefährdeten Gebieten ist aufgerufen, unnötige Fahrten zu vermeiden und sich von Bächen, Flüssen, Unterführungen und bereits von Erdrutschen oder Überflutungen betroffenen Bereichen fernzuhalten.
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