Deutsche Urlauber in Italien mutmaßlich von Wolf angegriffen
In Italien häufen sich Meldungen über Wolfssichtungen. In der Region Apulien wurden fünf Angriffe gemeldet. Bei den mutmaßlichen Wolfsattacken sollen mehrere Menschen von den Tieren verletzt worden sein.
Am 21. August wurden drei Touristinnen und Touristen, darunter eine 52-Jährige und ihre zwölfjährige Tochter, angegriffen, als sie sich in einer Ferienanlage in Punta Pizzo bei Gallipoli aufhielten. Auch ein 67-Jähriger, der die beiden gegen das Tier verteidigt haben soll, wurde angegriffen. Übereinstimmenden Medienberichten zufolge soll es sich dabei um deutsche Urlauber handeln. Alle drei kamen ins Krankenhaus; die Frau und das Mädchen wurden mit einer Heilungsprognose von zwei Wochen entlassen.
Nach ersten Rekonstruktionen hatte das Tier zunächst einen kleinen Hund auf dem Gelände im Visier und griff dann die Touristengruppe an. Unterdessen prüfen die Carabinieri mit Unterstützung der Tierärztinnen und Tierärzte der örtlichen ASL den Fall, um das Tier zu identifizieren und zu klären, ob es sich tatsächlich um einen Wolf handelt.
Mutmaßliche Wolfsangriffe häufen sich
Weitere Angriffe betrafen Minderjährige: Seit Anfang August wurden drei Kinder verletzt. Der jüngste Fall ereignete sich am 15. August in Noicattaro in der Provinz Bari. Ein sechsjähriger Junge wurde dort von einem mutmaßlichen Wolf gebissen. Er erlitt mehrere Verletzungen am Brustkorb und liegt auf der Kinderchirurgie des Krankenhauses Giovanni XXIII.
Der Angriff geschah, als der Junge mit seiner Familie in einem Stadtpark der Gemeinde unterwegs war. Das Tier soll den Jungen gegen 23 Uhr angegriffen haben, bevor die Schreie der Erwachsenen es in die Flucht schlugen.
Erste Berichte sprachen von einem streunenden Hund. Der Bürgermeister von Noicattaro, Raimondo Innamorato, widersprach dieser Version jedoch. In sozialen Netzwerken kursieren inzwischen Bilder des mutmaßlichen Wolfs, der wenige Stunden nach dem Angriff gesichtet worden sein soll.
Die Präfektur Bari und die Region Apulien haben eine Taskforce eingesetzt, die das Tier mit Hilfe von Drohnen, Wärmebildkameras und Fangschlingen identifizieren soll. Unterdessen hat Regionalpräsident Antonio Decaro die Entnahme und Gefangennahme des Tieres genehmigt.
Mögliche Wölfe wurden auch im Gebiet von Brindisi gemeldet, wo eine Französische Bulldogge und zwei Emus getötet wurden.
Wolfsichtungen auch in Riccione und Umbrien
Die Meldungen beschränken sich nicht auf Süditalien. In Riccione in der Region Emilia-Romagna berichten mehrere Anwohner von einem Wolf, der im nördlichen Teil der Stadt umherstreifte.
Die Stadtverwaltung ordnete die nächtliche Schließung von drei Stadtparks an. Sie rief die Bevölkerung zudem dazu auf, keine organischen Abfälle neben den Containern abzustellen, Haustierfutter nicht im Freien zu lassen und die Flächen rund um die Häuser von dichter Vegetation freizuhalten.
Auch in Umbrien laufen die Suchaktionen nach einem Wolf, der am 9. Juli in Arrone ein vierjähriges Mädchen angegriffen haben soll.
Wie viele Wölfe leben in Italien?
In Italien leben schätzungsweise 3.500 Wölfe. Das geht aus dem ersten landesweiten Monitoring des Instituts für Umweltschutz und -forschung ISPRA hervor, das zwischen 2018 und 2022 durchgeführt wurde. Rund 950 Tiere leben in den Alpenregionen, mehr als 2.500 verteilen sich auf den Rest der Halbinsel.
Die Population hat im ganzen Land zugenommen. Der Grauwolf (Canis lupus) war in Italien in den 1970er-Jahren fast ausgerottet. In den Apenninen lebten damals weniger als 100 Tiere, die sich in abgelegenen Gebieten bewegten, in denen es nur wenige Beutetiere gab.
Die Einstufung als "geschützte Art", festgeschrieben in der Berner Konvention von 1979, leitete die Rückkehr der Wölfe ein. Strengere Naturschutzmaßnahmen in ganz Europa ermöglichten eine starke Erholung der Bestände. Zwischen 2012 und 2022 stieg die Zahl der Tiere von 12.000 auf mehr als 21.000, ein Plus von 58 Prozent, wie eine Studie in 34 europäischen Ländern zeigt.
Mit der Rückkehr der Wölfe nahmen die Angriffe auf Nutztiere zu. Einer Studie aus dem Jahr 2022 zufolge töten Wölfe zwischen 30.000 und 40.000 Nutztiere pro Jahr, davon rund 8.000 in Italien, vor allem Schafe.
Angriffe von Wölfen auf Menschen bleiben dagegen selten. Nach Angaben des WWF ist im 21. Jahrhundert in Europa kein Mensch durch solche Vorfälle ums Leben gekommen.
In der EU hat sich der Schutzstatus des Wolfs 2026 geändert: Die Art gilt nicht mehr als "streng geschützte Art", sondern als "geschützte Art". Hintergrund sind der wachsende Bestand und die Schäden an Nutzherden. Der neue Rahmen gibt den einzelnen Staaten mehr Spielraum im Umgang mit ihren Wolfsbeständen, legt aber weiterhin strenge Grenzen für die Jagd fest.
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